KREUZREIM  

LUKAS  KAPITEL 8

JÜNGERINNEN

 

Jesus ging von einem Dorf zum andern;

und er predigte von Gottes Reich.

Die Apostel durften mit ihm wandern.

Sie erlebten Wort und Tat zugleich.

 

Jesus Christus folgten nicht nur Männer.

Ein paar Frauen gingen immer mit.

Diese waren wahre Christus-Kenner

und behielten auch im Glauben Schritt.

 

Manche kennen wir sogar mit Namen.

Manche hatte er gesund gemacht.

Und wir wissen auch woher sie kamen.

Jesus hatte ihnen Heil gebracht.

 

So zum Beispiel wissen wir von einer,

von der trieb er sieben Geister aus.

Die Maria liebte ihn wie keiner;

und in Magdala, da stand ihr Haus.

 

Sie gehörte später dann zu denen,

die als erste Jesus wiedersah.

Noch am Grab - so muss man hier erwähnen –

sah sie, dass er auferstanden war.

 

Auch Johannna war eine der Frauen,

die ihm folgten stets von Stadt zu Stadt.

Ihr Mann, Chuza, musste ihr vertrauen,

weil er Arbeit bei dem König hat.

 

Bei Herodes war er ein Verwalter,

bei dem, der Johannes töten ließ,

der regierte wie im Mittelalter

und für Jesus kein Gespür bewies.

 

Und Susanna wollen wir erwähnen.

Nur sehr wenig ist von ihr bekannt.

Nichts von Heilung und von ihren Plänen.

Doch ihr Name wird uns auch genannt.

 

Viele dienten ihm mit ihren Gaben.

Viele Frauen folgten Jesus nach.

Manche wollten seine Nähe haben.

Und sie lauschten auf das, was er sprach.

 

Ja, sie gaben alles, was sie hatten.

Denn er hatte selbst sie so beschenkt.

Heil und Segen kann man nicht erstatten.

Dankbarkeit bleibt immer eingeschränkt.

LUKAS 8,1-3

 

 

VOM SÄMANN

 

Ein Bauer ging aufs Feld,

zu sähen seinen Samen.

Er teilte reichlich aus –

Und schon die Vögel kamen.

Etwas fiel auf den Weg,

wo es die Vögel fraßen.

Zertreten wurd‘ es auch

Von Menschen auf den Straßen.

 

Etwas fiel auf den Fels,

es keimte kurz und heftig,

doch ohne Feuchtigkeit,

da wurde es nicht kräftig.

So ging es nur kurz auf,

doch konnt‘ es nicht bestehen,

verdorrte dann sehr schnell.

Man sah es bald vergehen.

 

Etwas fiel an den Rand,

wo Dorn und Distel leben.

Doch gegen dieses Kraut,

da konnt‘ es nur aufgeben.

Es wurde dort verdrängt.

Das Wildkraut war sehr mächtig.

Der Same ging zwar auf,

die Frucht blieb nur ganz schmächtig.

 

Doch fiel auf gutes Land

auch manches von dem Samen,

ging auf und trug sehr gut,

hundertfach Früchte kamen.

„Wer Ohren hat zu hör’n,

der höre diese Worte!“

sprach Jesus zu dem Volk,

zu Menschen hier am Orte.

 

Die Jünger fragten ihn,

„Womit willst du’s vergleichen?“

Er sprach: „Ich sage euch,

ihr könnt den Sinn erreichen.

 

Ihr könnt von Gottes Reich

Geheimnisse verstehen,

doch and’re können nicht

den Sinn dahinter sehen.

Sie sehen nur das Bild.

Sie hören nur die Worte.

Doch sie erkennen nicht

Das himmlische der Sorte.

 

Das Gleichnis sagt euch dies:
Der Same ist Wort Gottes.

Und was auf den Weg fällt

Ist teuflischen Komplottes.

Die Menschen hören Gott.

Doch wird aus ihren Herzen

das Wort geraubt, zerstört,

statt Seligkeit gibt’s Schmerzen.

 

Das aber auf dem Fels,

sind Menschen, die es hören,

mit Freude fängt es an;

sie wollen auf Gott schwören.

Sie glauben kurze Zeit,

doch Wurzeln fehlen ihnen.

So fallen sie schnell ab;

es fällt schwer Gott zu dienen.

 

Was unter Dornen fiel

erstickt unter den Sorgen,

dem Reichtum und der Lust.

So gibt es auch kein Morgen.

Sie woll’n an jedem Tag

die Freuden nur des Lebens

und bleiben ohne Frucht.

Die Gaben sind vergebens.

 

Das auf dem guten Land,

sind die, die das Wort hören,

die wurzeln tief in Gott

und lassen sich nicht stören.

In feinem, guten Herz

behalten sie die Dinge,

auf dass man gute Frucht

mit viel Geduld erbringe.

LUKAS 8,4-15

 

 

NICHTS BLEIBT VERBORGEN

 

Es ist nichts verborgen,

alles wird bekannt.

Es wird, was geheim ist

öffentlich genannt.

 

Es wird offenbar sein,

was verborgen war.

Es wird den Tag geben,

dann ist alles klar.

 

Gottes Licht wird leuchten

in die Dunkelheit.

Auch in finst’re Ecken

strahlt die Herrlichkeit.

 

Niemand zündet Kerzen

oder Lichter an,

um sie so zu stellen,

dass man nichts seh’n kann.

 

Unter einem Eimer,

unter einer Bank

nutzt das Licht ja gar nichts,

sondern auf dem Schrank,

 

oben auf dem Leuchter

strahlt es gut und weit.

Es verbreitet Wärme

und gibt Helligkeit.

 

Jeder soll es sehen:
Es kommt an den Tag,

was bisher verborgen

und im Dunkeln lag.

 

Und ihr sollt auch hören!
Öffnet euer Ohr!
Gott wird zu euch reden

mehr als je zuvor.

 

Achtet jetzt schon darauf,

was ihr seht und hört.

Lasst nichts in euch dringen,

was das Leben stört.

 

Es wird dem gegeben,

der von Gott schon satt

und wird dem genommen,

der nur meint, er hat.

 

Die, die auf Gott hören,

wachsen zu ihm hin.

Die sich an ihm stören,

denen fehlt der Sinn.

LUKAS 8,16-18

 

 

VERWANDTSCHAFT

 

Immer standen viele Leute dicht gedrängt

um ihn `rum, um zu hören angestrengt.

Alle lauschten seinen Worten, sahen zu.

Man stand richtig eingeengt auf du und du.

 

Keiner ließ sich die Geschichten hier entgehn.

Alle wollten immer neue Wunder sehn.

So stand Jesus wieder einmal in dem Kreis

und erzählt von Gottes Reich mit großem Fleiß.

 

Auch die Mutter und die Brüder kamen hin.

Doch sie kamen viel zu spät, nicht zu Beginn.

Deshalb drangen sie auch nicht bis vorne vor.

Nur die Nächsten flüsterten in Jesu Ohr:

 

„Deine Mutter und die Brüder stehen hier,

dich zu sehen und zu sprechen auch mit dir.“

Jesus wies sie ziemlich schroff und heftig ab.

Ja, er sagte ihnen allen ziemlich knapp:

 

„Meine Mutter und die Brüder sind die hier,

die die Worte Gottes hören und die mir

in Gedanken folgen und in ihrem Tun,

die so handeln, wie Gott will! – Das sag ich nun.“

LUKAS 8,19-21

 

 

DER STURM

 

Eine Schiffsreise ist manchmal sehr gefährlich,

manchmal geh’n die Wellen heftig auf und ab.

Dann ist es für Leib und Seele sehr beschwerlich.

Mancher fand im tiefen Wasser schon sein Grab.

 

Kleine Boote, leere Netze, raue Männer, -

oft schon fuhren sie zum Fischen auf den See.

Jeder wusste hier Bescheid und war ein Kenner

von den Strudeln, von dem Wetter, vom Metier.

 

Jener See Genezareth liegt zwischen Hügeln.

Man nennt ihn auch manchmal Galiläisch Meer.

Kommt von Westen her das Wetter, - lässt sich’s zügeln;

kommt von Osten es, dann stürmt es oft sehr schwer.

 

Jesus wollte mit den Jüngern `rüberfahren.

Alle stiegen in ein Boot, dann ging es los.

Und weil anfangs alle guter Stimmung waren,

legt sich Jesus in den Rumpf und schläft grandios.

 

Plötzlich wechselt überm See das gute Wetter.

Es dreht sich schlagartig um, schon schwankt das Boot.

Schon schlägt Wasser über alle Planken-Bretter.

Unerwartet kommen sie in große Not.

 

Es geht auf und ab durch hohe Wellentäler.

Dieser Wirbelwind bringt alle in Gefahr.

Keiner wusste einen Rat, - sagt der Erzähler,

obwohl mancher in der Mannschaft Seemann war.

 

Trotz des Wellengangs und trotz der starken Winde,

Jesus schlief ganz ruhig unten in dem Boot.

Doch jetzt weckt man ihn; sie riefen ihn geschwinde:
„Meister! Meister! Komm! Wir leiden große Not!“

 

Er steht auf, bedroht den Wind, die Wasserwogen.

Schon kehrt Stille ein, schon legt sich dieser Sturm.

Ruhig liegt das Meer, die Wolken fortgezogen.

Niemand sieht mehr einen hohen Wellenturm.

 

Still vor Staunen und geschockt mit offnem Munde

sind sie fassungslos von dem, was da geschah.

Noch bevor man spricht, fragt Jesus in die Runde:
„Wo ist euer Glaube? Ich bin immer da!“

 

Sie verwundern sich; sie haben Furcht bekommen.

Wer ist das, der auch dem Wind befehlen kann?

Noch sind sie von dem Geschehen ganz benommen.

Dem das Meer gehorcht – der ist ein Gottesmann!

 

Schenkten sie ihm nicht ihr ganzes Gottvertrauen?

Weckten sie ihn nicht und riefen in der Not?

Jetzt fragt er nach Glauben; - das musst man verdauen,

das liegt schwer im Magen, wie die Todesnot.

LUKAS 8,22-25

 

 

ERGREIFENDE MÄCHTE

 

Immer wieder schrie er kräftig.

Er lief ohne Kleider! Nackt!

Er war seiner selbst nicht mächtig.

Alle hat die Angst gepackt.

 

Keiner hat ihn halten können.

Von zu Hause lief er fort,

blieb zur Nacht in Grabeshöhlen,

hauste zwischen Toten dort.

 

Man versuchte ihn zu fesseln.

Doch er hat es stets geschafft

selbst die Ketten zu zerreißen.

Ungezügelt blieb die Kraft.

 

Er war mit sich selbst nicht einig.

Ganz verwirrt war Geist und Sinn.

Fremden Kräften ausgeliefert

trieb es ihn zur Wüste hin.

 

Was für Mächte ihn ergriffen?

Keiner wusste da Bescheid.

Alle fühlten, wie’s ihn plagte,

wie er litt seit langer Zeit.

 

Oft hat man ihm helfen wollen.

Nichts ließ man hier unversucht.

Doch seit Jahren die Verwirrung, -

dieser Mann war wie verflucht.

 

Jesus kam in seine Gegend,

östlich von dem großen See,

wollte nach Gerasa wandern,

war mal wieder auf Tournee.

 

Jesus war per Schiff gekommen.

Eben er gelandet war.

Da begegnet ihm der Fremde

aus der Stadt – so sonderbar.

 

Jesus spürte fremde Mächte,

wie der Mann gebeutelt wird.

Und er will den Mensch befreien,

denn der ist total verwirrt.

 

Jesus sprach mit diesem Menschen,

sprach direkt zu seinem Geist,

redete mit tiefsten Schichten,

dort, wo ihn das Böse beißt.

 

Dieser schrie und fiel zu Boden,

fiel vor Jesus auf die Knie:
“Was willst du, du Sohn des Höchsten?
Quäl mich nicht!“ – er ganz laut schrie.

 

So rief aus ihm eine Stimme,

die den Mensch gefangen nimmt,

die Besitz von ihm ergriffen,

die ihn plagt und fremdbestimmt.

 

Jesus fragte nach dem Namen:

„Sag, wie heißt du, der dort spricht?“

„Legion!“ rief die fremde Stimme.

Vielfach wirkt das Nachtgesicht.

 

Nicht nur eine Fremdbestimmung,

nicht nur ein Geist war in ihm.

„Legion“ sagt das hundertfache.

Ihn beherrscht ein Geister-Team.

 

Jesus sah ihn an voll Liebe.

Er verbreitete mit Macht

Gottes Kraft und Atmosphäre.

Gottes Geist hat er gebracht.

 

Aus dem Menschen rief die Stimme:

„Jesus! Bitte schick uns nicht

in die abgrundlose Tiefe.

Ach, wir bitten dich ganz schlicht:

Wenn wir aus dem Menschen müssen,

lass uns in die Schweine geh’n,

die dort an dem Abhang weiden,

die dort auf dem Hügel steh’n.“

 

Alles in dem Mensch erkannte:
Dieser Jesus hat die Kraft

auch Dämonen auszutreiben.

Er besiegt die Gegnerschaft.

 

Jesus ließ die bösen Geister

in die Herde Schweine fahr’n,

die dort in der Erde wühlten,

die bis eben friedlich war’n.

 

Plötzlich rast die ganze Herde,

stürmt den Abhang schnell herab,

läuft zum See, rennt in das Wasser,

und die Luft wird ihnen knapp.

 

Sie erstickten und ertranken.

Menschen schauten wie gebannt

auf das, was sie eben sahen,

wie die Herde ist gerannt.

 

Und die Hirten dieser Herde

flohen in die nächste Stadt.

Sie erzählten allen Leuten,

was sich zugetragen hat.

 

Nun aus Schaulust oder Neugier

liefen sie zu Jesus hin.

Alle aus den Dörfern kamen,

Arbeiter und Bäuerin.

Und sie fanden jenen Menschen,

der zuvor besessen war,

saß dort still zu Jesu Füßen,

war vernünftig, geistig klar.

 

Er war ordentlich gekleidet.

Und er hörte Jesus zu.

Alle, die dabei gewesen,

gaben jetzt ein Interview.

 

Sie bestätigten den Fragern,

dass der geistig kranke Mann

durch die Kräfte Jesu heilte,

dass der austrieb diesen Bann.

 

Und wie dann die Schweine starben,

wie sie rannten zu dem See, -

das erzählten sie den Leuten,

und die staunten: „Ach, du Je!“

 

Doch wo Gottes Kräfte walten,

ist auch Furcht und Angst nicht weit,

nicht nur Ehrfurcht oder Staunen,

sondern die Ergriffenheit.

 

Nicht wie sonst in den Geschichten

brachten sie die Kranken jetzt,

sondern Jesus sollte gehen.

Alle waren zu entsetzt.

 

Aus der Angst vor diesen Mächten

baten sie ihn umzukehr’n.

Und so ging er zu den Booten,

um den See zu überquer’n.

 

Doch der Mann, der krank gewesen,

lief noch hinter Jesus her,

wünschte sich bei ihm zu bleiben,

seine Nähe wollte er.

 

Jesus sagte: „Geh nach Hause
und erzähl von deinem Wahn.

Dann erzähl von Gottes Kräften,

und was er an dir getan.“

 

Und er ging in alle Städte

Und berichtete nun dort,

wie ihn Jesu Kräfte heilten,

wie er trieb den Wahnsinn fort.

 

Wo die Mächte Jesu wirken,

da verschwindet böse Macht,

und die Seele wird gesunden,

manchmal schnell und manchmal sacht.

LUKAS 8,26-39

 

 

GÖTTLICHE BERÜHRUNG

 

O, er hatte große Angst um seine Tochter.

Sie lag krank zu Hause. Sie war sterbenskrank.

Und obwohl er Leiter war, ein gern gemochter,

lagen jetzt bei ihm die Nerven ziemlich blank.

 

Denn er wusste, dass sie sterben könnte, -stündlich.

Sie war erst zwölf Jahre und sein einz’ges Kind.

Diese Krankheit war so furchtbar unergründlich.

Die Gedanken kreisten wie im Labyrinth.

 

Wie oft hatte er zu seinem Gott gebetet.

In der Synagoge stand er allen vor.

Er hat drum gerungen, ihn beknetet,

doch es schien als hätte Gott für ihn kein Ohr.

 

Wenn es weiter so ging, würde sie bald sterben.

Von den Ärzten wusste er das ganz genau.

Selbst bei ihm konnt’ das die Lebenslust verderben.

Sie war seine Hoffnung und die seiner Frau.

 

Ihre Fröhlichkeit, ihr Strahlen und ihr Lachen

brachte in sein Leben hellen Sonnenschein.

Welcher Arzt könnt sie gesund und munter machen?
Ihm fiel nur noch Jesus, dieser Heiler, ein.

 

Der war eben in die Stadt am See gekommen.

Viele Menschen drängten sich um ihn herum.

Als Jairus, jener Vater, das vernommen,

lief er zu ihm voller Hoffnung und mit Mumm.

 

Und er schickte auch nicht einfach einen Boten.

Er ging selbst zu Jesus und er kniete tief.

Er erzählte von der Tochter, der halbtoten.

„Komm mit mir nach Hause!“ bat er impulsiv.

 

Darauf wollte Jesus mit Jairus gehen.

Doch sie kamen durch das Volk nur schwer voran.

Viele Leute blieben in den Gassen stehen.

Dicht gedrängt um Jesus schob hier jedermann.

 

Plötzlich merkte Jesus, dass man ihn berührte.

Irgendjemand hat ihn einfach angefasst.

Und er fragte, wer das war, weil er das spürte.

Ganz erschrocken ist die eine Frau erblasst.

 

Seit zwölf Jahren währt nun schon ihr großes Leiden.

Ihre Monatsblutung hörte gar nicht auf.

Religiöses hatte sie deshalb zu meiden.

Das verdarb den ganz normalen Lebenslauf.

 

Sie war von den Feiern immer ausgeschlossen,

und berühren durfte sie auch keinen Mann.

Deshalb stand sie jetzt wie angegossen.

Sie sieht Jesus unsicher und ängstlich an.

 

Sie war es, die an den Saum von Jesus fasste.

Dieses hatte sie sich heimlich ausgedacht:

wenn sie nur von ihm berührte seine Quaste,

hätte das vielleicht sie ganz gesund gemacht.

 

Seit zwölf Jahren lief sie hin zu allen Ärzten.

Keinen gab es, der auf dieses sich verstand.

Doch weil Leib und Seele immer wieder schmerzten,

hat sie alles für die Heilung aufgewandt.

 

Jesus schaute um sich in die ganze Runde.

Alle stritten heftig ab, dass sie es war’n.

Doch die Frau erbleichte in der Schrecksekunde.

Soll sie sich denn jetzt vor allen offenbar’n?

 

„Meister!“ sagte Petrus. „Sieh die große Menge!

Alle Menschen drängen und sie drücken dich!“

„Nein!“ sprach Jesus zu ihm. „Hier in dem Gedränge

merkte ich, wie eine Kraft von mir entwich.“

 

Als die Frau ihn an dem Rocksaum kurz berührte

fühlte sie sofort, jetzt hört die Blutung auf.

Doch was wäre, wenn er sie hier überführte?
Nimmt dann ihre Krankheit wieder ihren Lauf?

 

Sie ging zitternd auf die Knie vor ihm nieder

Und erzählte nun vor allen, was sie tat.

Sie sprach von der Krankheit, senkte ihre Lider,

denn sie wusste, was sie tat, das war Verrat.

 

Sie erzählte vom Gefühl, sie ist genesen.

Ihre Blutung hätte sofort aufgehört.

In den Augen konnte man die Angst noch lesen,

wie sie auf der Erde kniet etwas verstört.

 

Jesus sprach zu ihr: „Dir half dein guter Glaube.

Geh in Frieden, meine Tochter, sage ich!“

Sie erhob sich wieder glücklich aus dem Staube, -

Als ein Bote kam und sagte jämmerlich:

 

„Ach, Jairus! Deine Tochter ist gestorben.

Jesus braucht nicht mehr zu kommen in dein Haus.

Nun sind alle deine Hoffnungen verdorben.

Mit der Zukunft und der Tochter ist es aus.“

 

Als das Jesus hörte, gab er ihm zu denken:
“Fürchte dich nicht! Glaube nur! Sie wird gesund!“

Und Jairus wollte Jesus Glauben schenken.

Er vertraute, was der sagt hat seinen Grund.

 

Alle Nachbarn und die Freunde sind erschienen,

standen weinend und laut klagend in dem Haus.

Alle trugen ihre schwarzen Trauermienen.

Jesus wies sie höflich und bestimmt heraus.

 

„Weint nicht um das Kind, denn es ist nicht gestorben.

Eure Tochter schläft!“ – so sagte Jesus sacht.

Damit hat die Stimmung er für sie verdorben.

Deshalb wurde er von allen ausgelacht.

 

Nur mit Petrus, mit Jakobus und Johannes

und den Eltern ging er zu dem Mädchen hin.

Er nahm ihre Hand; sie spürten bald: er kann es!

„Kind, steh auf!“ sprach er. Da kam zurück ihr Sinn.

 

Sie erhob sich langsam wieder von dem Lager.

Sie stand auf und ging im Zimmer hin und her.

„Gebt ihr Essen!“ sagte Jesus. „Sie ist mager.“

Ihre Eltern wunderten sich nur noch mehr.

 

Sie entsetzten sich bei dem, was sie gesehen.

Nichts zu sagen, schärfte ihnen Jesus ein.

Alle sollten nichts erzählen vom Geschehen.

Wer nur lacht, glaubt nicht an Wunder allgemein.

 

Dort, wo Menschen mit ihm in Berührung kommen,

zeigt sich deutlich seine starke Gotteskraft.

Bei den Ausgeschlossenen und bei den Frommen

bringt er Heilung und das Leben! – Sagenhaft!

LUKAS 8,40-56