KREUZREIM  

LUKAS  KAPITEL 7

WERTSCHÄTZUNG

 

Eine Frage stellen Menschen immer wieder:

„Was bin ich vor Gott, mir selbst und andern wert?“

Die Wertschätzung brauchen alle Menschenglieder.

Durch die Achtung fühlen Menschen sich geehrt.

 

Nach Kapernaum war Jesus einst gekommen.

Kaum war er dort, kamen ehrenwerte Herrn,

von dem Stadtrat, der Gemeinde, von den Frommen,

um mit Jesus hier zu reden insofern:

 

dass ein Hauptmann von den Römern sie gebeten:
„Geht zu Jesus, fragt bei ihm um Hilfe an,

ob er kommen kann, für meinen Knecht zu beten,

todkrank ist der mir sehr lieb und werte Mann.

 

Denn ich hörte von dem Jesus bisher Gutes.

Überbringt ihm meine Bitte möglichst schnell.

Er kann heilen, er kann helfen. Also tut es,

holt ihn her; ich bitte ihn ganz offiziell.“

 

Deshalb kamen nun die Ältesten der Juden

Und erzählten von dem römischen Soldat.

Sie erklärten auch, warum sie zu ihm luden:
„Dieser Hauptmann ist es wert, er hat Format!

 

Er ist wahrlich nicht sehr typisch als Besatzer,

denn er liebt das Volk und achtet jedermann.

Selbst in Glaubensdingen macht er keinen Patzer,

baute uns die Synagoge irgendwann.

 

Er ist wahrlich wert, dass wir dich zu ihm führen.

Komm mit uns, wenn sein Knecht Hilfe von dir braucht.

Vielleicht hilft es jenen Kranken zu berühren.

Vielleicht hat er sich die Seele schwer verstaucht.“

 

Jesus ging mit ihnen zu des Hauptmanns Hause.

Und sie waren davon gar nicht mehr sehr fern.

Da zwang die Begegnung sie zu einer Pause.

Freunde von dem Hauptmann kamen zu dem Herrn.

 

„Unser Hauptmann lässt dir folgendes bestellen:

Er sagt, er sei deine Mühe gar nicht wert.

Du brauchst dich zu ihm nicht in sein Haus gesellen,

deshalb hat er mit dir selber nicht verkehrt.

 

Er hat sich bisher nicht würdig dir erachtet.

Er weiß ganz genau um Stellung und um Rang.

Und er dachte sich, wenn er es recht betrachtet,

reicht ein Wort von dir, das wirkt doch meilenlang.

 

Wenn du ein Wort sprichst, dann wird der Knecht gesunden.

Wenn du etwas sagst, dann wird dies auch geschehn.

Alle Achtung will der Hauptmann dir bekunden.

Du musst nicht noch extra unter sein Dach gehn.

 

Unser Hauptmann meint, es ist wie bei Soldaten.

Wenn er einem sagt „Geh hin!“, so geht er hin.

Auf Befehle folgen grundsätzlich die Taten.

Man vertraut im Handeln jenem tief‘ren Sinn.

 

Er sei selbst ein Mensch und würde unterstehen

seiner Obrigkeit, dem Herren General.

Deshalb sprich ein Wort und schon wird es geschehen,

dass der kranke Knecht wird wieder ganz vital.“

 

Jesus staunt über diese großen Worte.

Und er wunderte sich über jenen Mann.

Damit wandte er sich um an die Eskorte

und er stellte jenen Glauben obenan.

 

„Ich hab in ganz Israel das nicht gefunden.

Solch ein Glaube ist die Hilfe wirklich wert.“

Sagte Jesus zu dem Volk ganz unumwunden.

Dann sind auch die Boten wieder umgekehrt.

 

Und als sie nach Hause zu dem Hauptmann kamen,

fanden sie den Knecht gesund und munter vor.

Weil sie gegenseitig ihren Wert ernst nahmen

wunderte sich Jesus und auch der Major.

 

Wer den Wert von einem andern Menschen achtet,

sprengt die Grenzen, heilt die Menschen und ehrt Gott.

Wer in Demut sich vor Gott stellt und entmachtet,

erntet Anerkennung bei ihm und nicht Spott.

LUKAS 7,1-10

 

 

DER TOTE JUNGE

 

Voller Trauer sind sie aus der Stadt gezogen.

Eine große Menge Volk ging hinterher.

Schleppend schlug die Kleidung dunkle weiche Wogen.

Schweigend klagend ging’s zum Friedhof tränenschwer.

 

Keiner hatte diesem Jungen helfen können.

Alle fühlten mit der Mutter ihre Not.

Alle wollten ihm das Leben gerne gönnen.

Alle waren tief betroffen von dem Tod.

 

Hatte sie vor Jahren ihren Mann verloren,

hatte sie doch Zukunftshoffnung durch den Sohn.

Hatte sie mit großen Schmerzen ihn geboren,

war der Stolz auf ihn ihr Lebenslohn.

 

Weil’s nur einer war, war er ihr ein und alles.

Er war Zukunft und Vergangenheit zugleich.

Er versorgte sie im Falle eines Falles.

Durch ihn zeigte sich ihr Mann noch segensreich.

 

Sein Tod war für sie ein großer Schock gewesen,

denn mit einmal war das Leben sinnlos leer.

Nicht nur Witwe, sondern jetzt ein armes Wesen,

ohne Mann und Sohn! – Wer sorgte für sie? Wer?

 

Ach, sie konnte es noch gar nicht richtig fassen.

Sie begriff nur langsam, wie es um sie stand,

fühlte sich von aller Welt und Gott verlassen,

fühlte sich, als hätt der Tod sie überrannt.

 

Trotz der Freunde und der Nachbarn, die dann kamen,

die sie trösten wollten, fand sie keine Ruh,

rief sie herzzerreißend ihren Sohn mit Namen,

und sie weinte Tag und Nacht nur immerzu.

 

Draußen vor der Stadt, dort lag der Gottesacker.

Dorthin sollte seine letzte Reise geh’n.

Dorthin trugen ihn die Männer, stark und wacker.

Plötzlich stockte dieser Zug und kam zum Steh’n.

 

Denn entgegen kam ein andrer Zug mit Leuten.

Dort kam Jesus und die Jünger folgten ihm.

Und ihr Lachen mag Lebendigkeit bedeuten.

Laut und fröhlich zog durchs Land das junge Team.

 

Zug des Todes prallte hier auf Zug des Lebens.

Doch auch Jesus stockte, als er dieses sah.

Er sprach zu der Mutter: „Weine nicht vergebens!“

Traurig wurd’ er, als er hörte, was geschah.

 

Jesus fasste an den Sarg. Es stieg die Spannung.

Alle fragten sich, was macht denn dieser Mann?

Wer den Tod berührt, der ist wie in Verbannung,

der ist unrein, den fasst keiner vorerst an.

 

Voller Mut und ohne Angst spricht er zum Toten:
„Junger Mann steh auf! Das sage ich jetzt dir!“

Kaum hat Jesus dies dem toten Mann geboten,

streckt und reckte er sich. Alle steh’n Spalier.

 

Und dann stand er auf und alle Leute staunten.

er begann zu reden, Leben kam in ihn.

Furcht ergriff sie alle, man hört wie sie raunten,

weil der Jesus ihnen wie ein Wunder schien.

 

Jesus brachte dann zur Mutter ihren Jungen.

Alle priesen Gott und sprachen vom Prophet,

der von Gott geschickt den Tod hatte bezwungen,

durch den Gottes Geist in tote Menschen weht.

 

Damals schon sprach man von ihm im ganzen Lande.

Ja, man sprach: Gott hat sein Volk durch ihn besucht.

Jesus ist als Wundermann dazu imstande,

dass Gott Heil uns bringt, statt dass er uns verflucht.

LUKAS 7,11-17

 

 

ZWEIFEL

 

Zweifel ist der Bruder von dem Glauben.

Zweifel packt den Menschen dann und wann.

Zweifel kann das Fundament uns rauben.

Zweifel zieht uns magisch in den Bann.

 

Zweifel macht uns offen für das Neue.

Zweifel fällt Gemüt und Seele schwer.

Zweifel ist kein Gegenteil von Treue.

Zweifel macht uns sicher – hinterher.

 

Überall sprach man von Jesu Taten.

Jeder sprach von seiner Gotteskraft,

wie viel Menschen er bisher beraten,

wie er Menschen heilte – meisterhaft.

 

Davon hört Johannes auch, der Täufer.

Bis in seine Wüste dringt es vor.

Davon reden Reisende, Verkäufer.

Auch der Streit um Jesus kommt zu Ohr.

 

Alles über Jesus wird besprochen.

Mit den Freunden spricht er über ihn.

Und sein Glaube bleibt nicht ungebrochen.

Manches ihm doch zweifelhaft erschien.

 

So zum Beispiel, dass ein Toter lebte.

So zum Beispiel Streit im Heimatort,

dass er nicht noch mehr nach Höh’rem strebte.

Zweifelhaft erschien auch manches Wort.

 

Reicht das aus, um diese Welt zu retten?

Er hat sich das anders vorgestellt,

dass die Worte noch mehr Wirkung hätten.

Den Messias braucht die ganze Welt.

 

Was soll er,  Johannes, denn nun glauben.

Ist das der, den Gott versprochen hat.

Soll er sich die Anfrage erlauben:
Kommst du wirklich hier an Gottes statt?

 

Von den Jüngern, die zu ihm gehörten,

schickt Johannes zwei zu Jesus hin,

dass sie sich bei Jesus mal empörten:
„Hat das Warten bei dir einen Sinn?

Bist du der, auf den wir alle warten?

Bist du der, der von Gott kommen soll?
Der Johannes sucht den Offenbarten,

den Messias sucht er hoffnungsvoll!“

Jesus hört die zweifelsvollen Fragen.

Und er sagt: „Schaut euch doch einfach um!
Ihr könnt meinem Freund Johannes sagen,

was ihr seht an Evangelium:

 

Taube hören und die Blinden sehen.

Menschen werden von dem Aussatz rein.

Tote leben und die Lahmen gehen.

Arme hören von dem Selig-Sein.“

 

Und sie sahen, dass er viele heilte,

sehr viel Leiden nahm er ihnen fort,

wie er bei den Armen wirklich weilte,

seelisch Kranke heilte er vor Ort.

 

„Selig sind, die sich nicht an mir stören!“

sagte Jesus ihnen noch zum Schluss.

„Sagt Johannes, was ihr konntet hören.

Ich grüß ihn mit einem Bruderkuss.“

LUKAS 7,18-23

 

 

JESUS SPRICHT ÜBER DEN TÄUFER

 

„Warum wolltet ihr Johannes hören?

Was war int’ressant für euch an ihm?

Konnte dieser Täufer euch betören?“

- fragte Jesus alle sehr intim.

 

„Warum seid ihr zu ihm hingegangen?

Suchtet in der Wüste ihr ein Rohr,

dessen Worte windbewegt erklangen?

Er trug euch nicht weiche Kleider vor.

 

Suchtet ihr in ihm nur den Propheten?

Ja, er ist noch mehr als ein Prophet!

Denn er sollte Gottes Wort vertreten,

als sein Bote war er sehr beredt.

 

Er tat das, was vorher schon geschrieben:
„Er bereitete ihm seinen Weg.“

Und es ist von ihm nicht übertrieben:
Er ist Gottes menschlichster Beleg.

 

Keine Frau hat Größeren geboren.

Nur der kleinste in dem Gottesreich,

der ist größer – so ist’s auserkoren,

denn dort sind sie nämlich engelsgleich.

 

Alle, die zum Täufer je gekommen,

die ihn hörten gaben nur Gott recht.

Alles Volk, die Zöllner und die Frommen,

taufte er zur Buße – wahr und echt,

 

Taufen ließen sich nicht Pharisäer,

und die Schriftgelehrten taten’s nicht.

Diese wurden ablehnend nur zäher.

Diese hatten Angst vor seiner Sicht.

 

Diese achteten nicht Gottes Boten.

Ich vergleiche diese Menschen nur

mit den Kindern, die gespielt nach Noten,

doch man folgte nicht dem Troubadour.

 

Nicht zur Freude wollten sie mit tanzen,

keiner weinte bei dem Klagelied,

zeigten nicht Gefühle, sie verschanzen

sich in sich und sind nur Störenfried.

 

Sie sind meines Gottes Spielverderber,

denn Johannes lehnen sie nur ab.

Weil er fastet, wirkt er auf sie herber.

„Ist besessen!“ – sagen sie nur knapp.

 

Auch der Menschensohn ist ja gekommen,

isst und trinkt und fastet wahrlich nicht.

Ihn missachten diese scheinbar Frommen,

weil mit Zöllnern er und Sündern spricht.

 

Ihn bezeichnen sie dann noch als „Fresser“.

Und als „Säufer“ wird er tituliert.

Ja, sie wissen immer alles besser.

Nur die eigne Sicht wird kultiviert.

 

Doch die Weisheit lebt von ganz alleine

und bekommt durch ihre Kinder recht.

Gottes Wort hat immer wieder Beine.

Und Johannes lebt es wahr und echt!“

LUKAS 7,24-35

 

 

ÖL UND TRÄNEN

 

Voller Tränen und mit Absicht tritt von hinten sie heran.

Sie verehrt ihn; ja, sie liebt ihn; sie bewundert diesen Mann.

Seine Worte, seine Taten taten ihrer Seele gut.

Ihr ist jetzt nach einer Geste, einem Liebesdienst zumut‘.

 

Ohne Worte, still von hinten, nähert sie sich diesem Herrn.

Sie fällt nieder auf die Knie und bedenkt nicht, inwiefern

andre Männer in dem Raume voller Neid und voll Moral

sie bewundern, sie bewerten, sie verachten, ja, - total!

 

Ganz behutsam mit den Händen streichelt sie erst einen Fuß.

Sie benetzt ihn mit den Tränen, weil sie ständig weinen muss.

Auch der zweite seiner Füße wird mit Tränen übersät.

Sie massiert sie, macht sie sauber; sie tut’s voll Intimität.

 

Ihre weichen dunklen Haare hängen lang von ihrem Haupt,

fallen über seine Füße, längst sind sie von ihr entstaubt.

Und sie trocknet mit den Haaren seine Sohlen langsam ab.

Dabei küsst sie seine Knöchel, immer wieder, nicht zu knapp.

 

Noch beim Küssen, voller Inbrunst, voller Regung, sanft und sacht,

öffnet sie ein kleines Fläschchen, - hat sie extra mitgebracht, -

daraus gießt sie gutes Salböl auf die Füße von dem Mann.

Zur Erfrischung und zum Duften salbt und streichelt sie sie dann.

 

Da platzt einem Moralisten jetzt der Kragen und er sagt:

„Wenn der Mann hier ein Prophet wär‘, wüsste er, wer es hier wagt,

ihn zu küssen und zu streicheln. ‚Jesus, weißt du nicht genau:

dies ist eine stadtbekannte kleine Nutte, diese Frau?‘“

 

Der das sagte war der Simon, der ihn eingeladen hat.

Dieser war ein Pharisäer, ganz bekannt in seiner Stadt.

„Simon, ich will dir was sagen!“ – spricht jetzt Jesus zu dem Mann.

„Meister, sag es!“ – wird erwidert. Er fing zu erzählen an:

 

„Es war einst ein Geldverleiher. Zwei der Schuldner konnten nicht

ihre Schuld bei ihm bezahlen, so wie es wär‘ ihre Pflicht.

Fünfzig reine Silberstücke schuldet einer von den Zwein.

Bei dem andern stand fünfhundert in dem Brief, auf dem Schuldschein.

 

Beide waren nicht bei Kasse. Auch in absehbarer Zeit,

hätten sie nicht zahlen können. So blieb ihre Schuldigkeit.

Doch der gute Geldverleiher hat ein Herz mit diesen Herrn.

Er erlässt die Schulden beiden; beide sehen das sehr gern.

 

Guter Simon! Jetzt die Frage: Welcher hat ihn mehr geliebt?“

„Selbstverständlich“ – sagte Simon „der, dem er das meiste gibt.“

„Du hast recht!“ sagt darauf Jesus. „Der, dem er das meiste schenkt,

wird ihn lieben, wird ihm danken, lebenslänglich, unbeschränkt.

 

Schau die Frau zu meinen Füßen. Sie hat Liebe mir erzeigt.

Voller Tränen, trotz der Leute, hat sie sich vor mir verneigt.

Du hast meine müden Füße nicht gewaschen, als ich kam.

Nicht mit Wasser, nur mit Tränen, sie die Reinigung vornahm.

 

Du hast keinen Kuss gegeben, keinen wie es üblich ist

mir zum Zeichen: ‚Wir sind Brüder‘, auch wenn du sonst gastfrei bist.

Sie hat seit ich `reingekommen mich mit Küssen übersät,

unablässig an den Füßen und mit viel Intensität.

 

Du hast mir kein Öl gegeben, nicht gesalbt des Gastes Haupt.

Vielleicht hast du es vergessen, an die Wirkung nicht geglaubt.

Sie hat extra von zu Hause gutes Salböl mitgebracht.

Sanft verrieben an den Füßen hat sie Freude mir gemacht.

 

Ich erkenne hinter allem tiefe Liebe dieser Frau.

Sie hat mir davon gegeben. Und das alles ohne Schau.

Sie trägt in sich sehr viel Liebe, weil ihr viel vergeben ist.

Ihre Leiden, Schuldgefühle kenne ich als Realist.“

 

Und jetzt spricht er zu der Frau hin: „Geh in Frieden von hier fort.

Deine Sünden sind vergeben, denn du glaubtest meinem Wort.

Dein Vertrauen hat geholfen. Du hast große Liebeskraft.

Wühlt es in dir, geh in Frieden! Du bist sehr gewissenhaft.“

LUKAS 7,36-50