KREUZREIM  

LUKAS  KAPITEL 5

DER GRÖSSTE FANG

 

Diesen Tag, den werd‘ ich nie vergessen.

Unvermittelt kam das Glück zu mir.

Ich hab damals nur ein Boot besessen.

Ich fing Fische und solch Meergetier.

 

Ich war kürzlich von dem See gekommen.

Es war an dem Tag ein schlechter Fang.

Beim Netzflicken hab ich sie vernommen,

-        eine Menge Menschen kam entlang.

 

Vorneweg ein noch recht junger Lehrer,

der sprach laut von Gott und von der Welt.

Dicht bei ihm ein paar seiner Verehrer

haben sich ihm einfach zugesellt.

 

Noch beim Waschen von dem letzten Netze,

fragt er mich nach meinem kleinen Boot,

ob ich ihn vom Ufer übersetze,

weil das Volk ihn drängelt und bedroht.

 

Nicht weit ab vom Strand und von den Leuten

setzt er sich und predigt aus dem Schiff.

Noch wusst ich nicht, was soll das bedeuten.

Doch ich merkte, dass es mich ergriff.

 

Noch nie hörte ich so einen reden.

Seine Predigt ging in Kopf und Bauch.

Ja, man spürte, der erreicht hier jeden.

Praktisch sprach er, Worte zum Gebrauch.

 

Meine Freunde waren auch ergriffen,

der Jakobus und Johannes auch.

Sie begleiteten uns in den Schiffen.

Unter Freunden war das guter Brauch.

 

Nach der Rede hat er mich gebeten:
„Fahr hinaus, wo es am tiefsten ist!

Wirf das Netz aus!“ -  doch ich schau betreten.

Ich bin Fischer und auch Realist.

 

„Meister, sieh, wir haben nichts gefangen.

Wir versuchten es die ganze Nacht.

Deine Worte überzeugend klangen,

ja, sie haben mich sehr angefacht.

 

Auf dein Wort will ich die Netze werfen!“

Damals dachte ich: das wird probiert!
Damals hatte ich noch gute Nerven,

fuhr noch mal hinaus ganz routiniert.

 

Doch er hatte nicht zu viel verheißen.

Unsre Netze füllten sich ganz schnell.

Sie begannen sogar schon zu reißen.

Es war wirklich echt sensationell.

 

Meine Freunde standen mir zur Seite.

Und wir füllten beide Boote voll.

Tief im Wasser, nur um Haaresbreite,

sanken beide nicht, - das war echt toll.

 

Noch im Boot, da fiel ich ihm zu Füßen.

Und ich sprach: „Herr, geh du weg von mir!

Ich bin sündig, ich muss vieles büßen!

Voller Schrecken stehe ich vor dir.“

 

Auch die andern waren tief erschrocken.

Denn wir spürten seine starke Kraft.

Danach sagte er zu mir ganz trocken:
„Simon, dich brauch ich jetzt dauerhaft.

 

Fürcht dich nicht; du wirst nun Menschen fangen.

Komm mit mir und lass hier alles stehn!“

Und so bin ich damals mitgegangen.

Und ich durfte manches Wunder sehn.

 

Damals brachten wir noch unsre Boote

an das Land – und ließen sie zurück.

Und wir folgten diesem Gottesbote.

In ihm fanden wir das große Glück.

 

Nie im Leben sah ich soviel Fische.

Das war damals ein besondrer Fang.

Jesus brachte in mein Leben Frische.

Ich will Jesus folgen lebenslang.

LUKAS 5,1-11

 

 

WEISSE FLECKEN

 

Weiße Flecken an dem Körper und die Unempfindlichkeit,

faule Stellen, die sich zeigten, waren Zeichen für das Leid.

Das war wie ein Todesurteil für die Menschen jener Zeit,

wenn man schließlich untersucht war und bekam dann den Bescheid.

 

Denn der Aussatz war so furchtbar, Kranke lebten dann allein,

draußen vor den kleinen Dörfern. Das war wie ein Totenschein.

Die Familie blieb zu Hause, für sie galt man als unrein.

Und um sie nicht anzustecken, litt man diese Höllenpein.

 

Einer dieser kranken Menschen lebte lang schon vor der Stadt,

starb fast bei lebend‘gem Leibe, weil er starken Aussatz hat.

Doch er liebte sehr sein Leben. Er war noch nicht lebenssatt,

wollte leben, suchte Heilung, wollte wohnen in der Stadt.

 

Eines Tages sah er Jesus; der kam zufällig vorbei.

Als er ihn sah, fiel er nieder, mit `nem tiefen Seufzerschrei.

Er bat ihn um seine Hilfe. Es klang fast wie Spinnerei.

Denn der Aussatz war nicht heilbar. Weshalb dann die Bettelei?

 

„Herr, wenn du willst, kannst du helfen. Mach mich bitte wieder rein!“

bat der ausgesetzte Kranke, schrie es laut in Seelenpein.

Er glaubt, Jesus kann ihn heilen. Er vertraut ihm insgeheim.

Er will sauber und gereinigt wieder sein an Arm und Bein.

 

Jesus streckte seine Hand aus und berührte diesen Mann;

trotz Gefahr sich anzustecken, fasste er ihn einfach an.

Wie viel tausend Ewigkeiten lag auf ihm nun schon der Bann,

dass ihn keiner mehr berührte. Und er fragte sich noch: Wann?

 

Wann war es, sein letztes Schmusen? Wann nahm er zum letzten Mal

seine Frau in seine Arme? Wann war es noch ganz normal,

dass er seine Kinder herzte, dass er lebte ganz vital?

In Gedanken kam die Rührung. Ihm wurd ganz sentimental.

 

Jesus sprach: „Ich will es tuen!“ und er sagte ihm: „Sei rein!“

Und sogleich wich alle Krankheit, ganz gesund sollte er sein.

Seine Hände, seine Füße, nahm er jetzt in Augenschein.

Nicht ein einz‘ger Fleck zu finden! Er fühlt nach an Arm und Bein.

 

Er spürt alle seine Glieder. Er fühlt  wie die Sonne brennt.

Er hat Grund unter den Füßen. Leben füllt ihn vehement.

Er kann zur Familie gehen. Er ist wieder existent.

Allen kann er es erzählen: Wunder und ein Happy-End.

 

Doch will Jesus von ihm eines, dass er es nicht weitersagt.

Er soll nur zum Priester gehen. Dort wird alles abgefragt.

Denen soll er Zeugnis geben, auch wenn’s denen nicht behagt.

und er soll ein Opfer bringen, so wie es schon Mose sagt.

 

Für Gesundheit soll er danken, nicht nur Jesus, sondern Gott.

Schließlich war für ihn die Krankheit ähnlich so wie ein Schafott.

Nur: er soll nichts weitersagen, denn die Menschen sind bigott,

sie erwarten von Gott Wunder, wenn sie da sind, gibt es Spott.

 

Alles wird dann gleich bezweifelt. Man zerredet es sofort!

Viele wollen es nicht glauben. Die Kritik ist für sie Sport.

Trotzdem hörten alle Menschen schnell von Jesus, - Wort für Wort.

Schneller noch als Flüsse fließen, sagten sie’s von Ort zu Ort.

 

Alle suchten seine Nähe, wollten von ihm Heil und Glück.

Jesus musste sich entziehen. Er zog sich allein zurück.

Er ging einfach in die Wüste, abseits von der Welt ein Stück.

Dort beim Beten in der Stille, schlägt er zu Gott eine Brück‘.

LUKAS 5,12-16

 

 

FREUNDE

 

Eines Tages kamen Pharisäer.

Und die Schriftgelehrten hörten Jesus zu,

wie er lehrte, dieser Galiläer;

dicht gedrängt saß man im Haus, auf du und du.

 

Aus den Orten ringsherum im Lande

kamen sie. Sie waren extra angereist.

Denn sie spürten, dieser war imstande,

Menschen heilte er mit Gottes Kraft und Geist.

 

Ein paar Freunde brachten einen Lahmen,

trugen ihn zum Haus auf einem Tragebett.

Doch weil sie nicht durch’s Gedränge kamen,

baten sie die Menschen: „Macht Platz! Seid so nett!“

 

Sie versuchten ihn hineinzubringen.

Doch gelang es nicht; sie kamen nicht ins Haus.

Durch die Menge konnt‘ es nicht gelingen.

Alle baten sich zum Zuhör’n Ruhe aus.

 

Doch die Freunde suchten neue Wege.

Und sie gaben nicht so schnell und einfach auf.

Dieser Lahme brauchte ihre Pflege.

Für ihn nahmen sie die Anstrengung in Kauf.

 

Über Treppen und die Außenleiter

stiegen sie mitsamt dem Bett hinauf auf’s Dach.

Und dann deckten jene Wegbereiter

einfach Ziegel ab – mit Vorsicht und mit Krach.

 

Nicht nur Licht und Himmel sah man unten.

Auch die Trage mit dem Mann kam angeschwebt.

Denn sie hatten Seile d’rangebunden.

Unten macht man Platz; - auch wenn man widerstrebt.

 

Vor die Füße Jesu kommt zu liegen

jener Lahme, für den vorher war kein Platz.

Jesus sieht, die sind auf’s Dach gestiegen,

und aufgrund des Glaubens sagt er nun den Satz:

„Deine Sünden, Mensch, sind dir vergeben!“

Alles schweigt und denkt und überlegt sich nun:
Ist ihm dieses Recht von Gott gegeben?

Oder darf das nicht nur Gott alleine tun?

 

Pharisäer und auch Schriftgelehrte

lernten immer, dass nur Gott vergeben kann.

Lästert Jesus Gott und ihre Werte?

Oder steht vor ihnen wahrhaft Gottes Mann?

 

Jesus spürt die Fragen und Gedanken.

Und er fragt sie: „Was denkt ihr in eurem Herz?

Sünden heilt man schwerer als die Kranken.

Meint ihr denn, ich sage solches nur zum Scherz?

 

Ist es leichter Sünden zu vergeben

oder sagt man eher: ‚Steh auf! Lauf herum!‘?

Ihr sollt meine Vollmacht hier erleben.

Deshalb zeige ich es diesem Publikum.“

 

Und er wandte sich an den Gelähmten:
„Steh du auf und nimm dein Bett und geh nach Haus!“

Diesen Ausspruch, diesen unverschämten,

brachte Jesus nun vor aller Ohren `raus.

 

Vor den Augen aller dieser Leute

stand der Lahme auf und nahm sodann sein Bett.

Weil er sich an seiner Heilung freute,

pries und lobte er Gott nun von A bis Z.

 

Alle staunten über dies Geschehen.

Unglaublich und wunderhaft war es für sie.

Seltsam schien für sie, was sie gesehen.

Dieser Jesus war wahrhaftig ein Genie.

 

Manchmal muss zur körperlichen Heilung

auch die Sünde erst von Gott bereinigt sein.

Leib und Seele kenne keine Teilung.

Heil und Segen dringen bis in Mark und Bein.

LUKAS 5,17-26

 

 

LEVI

 

Jesus lebte nicht als Eremit

und war nicht verbissen religiös.

Jesus aß gern und mit Appetit.

Manche fanden das schon skandalös.

 

Dass er sogar mit den Sündern aß,

dass man ihn zu jeder Party lud,

dass er bei den reichen Leuten saß,

fanden Superfromme gar nicht gut.

 

Einmal sah er einen Mann vom Zoll,

der das Geld kassierte für den Staat,

der es an Besatzer abführn soll.

Man stand unter römischem Diktat.

 

Dieser Zöllner saß an seinem Platz,

als ihn Jesus ganz direkt ansprach.

Er sagt zu ihm nur den einen Satz:

„Levi!“ – sprach er, „Folge du mir nach!“

 

Er ließ sofort alle Sachen stehn.

er stand auf und folgte Jesus nach.

Und er sagte: „Lasst uns zu mir gehn,

weil ich euch ein schönes Essen mach!“

 

Er lud  Jesus und die Jünger ein,

richtete die große Mahlzeit aus.

Feiern wollte man und glücklich sein.

Andre Zöllner kamen auch ins Haus.

 

Jesus sprach und hörte ihnen zu.

Fröhlich schwangen Gläser bei dem Fest.

Lachen klang heraus. Nichts war tabu.

Nur von draußen drang deutlich Protest.

 

„Wieso esst ihr mit den Zöllnern hier?

Sie sind Sünder, halten nicht zum Land!“

Pharisäer fragten voll Begier

Jesus Jünger, neidisch, arrogant.

 

Jesus sprach für sie und sagte dann:
„Einen Arzt braucht keiner der gesund!

Den bedarf der Kranke! – Denkt daran!

Ebenso der, der im Herzen wund.

 

Ich bin da für Sünder! Die ruf ich,

dass sie umkehrn, dass sie Buße tun.

Nicht gerechte Menschen brauchen mich.

Die Gerechten in sich selber ruhn.“

 

Fein ironisch wendet Jesus sich

an die Selbstgerechten vor der Tür.

Sie sind ganz korrekt und ordentlich,

doch das geht schon über die Gebühr.

 

Denn auf Kosten von den Sündern geht’s.

Im Vergleich, da fühlen sie sich rein.

Nur die Gnade Gottes hilft uns stets,

rettet Menschen aus der Seelenpein.

LUKAS 5,27-32

 

NEUES LEBEN BRAUCHT NEUE FORMEN

 

„Hej, Du, sag uns warum deine Freunde nicht so leben,

wie zum Beispiel unsre Freunde und auch die von J d T ?

Was die machen, wie sie glauben und wie sie sich geben

- nichts entspricht den Traditionen! Findest du das gut? Oje!

 

Unsre Freunde fasten regelmäßig! – Doch nicht deine.

Unsre und Johannes Schüler beten mehrfach und sehr viel.

Von den Fastentagen kennen deine Freunde keine.

Ja, sie essen und sie trinken als wär’ Leben nur ein Spiel.“

 

Richtig fordernd und um zu verketzern kam die Frage.

Um zu sticheln, um zu ärgern und nicht ehrlich fragten sie.

Doch erfasste dieser Jesus wirklich schnell die Lage.

Er durchblickte bei den Superfrommen ihre Ironie.

 

„Wenn man Feste feiert,“ sprach er „dann soll man nicht fasten!

Und solang die Hochzeitsgäste noch den Bräutigam hier sehn,

gibt es keinen Grund sich mit Enthaltung zu belasten.

Nach der Feier gibt es Zeit zum Fasten; dann kann es geschehn.

 

Meine Schüler freuen sich, dass ich bei ihnen weile.

Jetzt ist Zeit zu leben, nicht um zu entsprechen einer Norm.

Und zum Beispiel: Neue Kleider reißt man nicht in Teile,

um die alten so zu flicken. Stellt euch vor die Uniform.

 

Wer zerreißt schon schöne, neue Kleider um zu flicken?

Denn so halten nicht die alten, und es passt auch nicht im Stil.

Dumm ist neuen Wein in alte Schläuche reinzuschicken,

denn der gärt noch und die Schläuche sind vom Lagern sehr labil.“

 

Leben mit Gott braucht auch immer wieder neue Formen.

Stil des Glaubens ist ein Ausdruck Gottes je nach seiner Zeit.

Glaube ist gewiss nicht nur Erfüllung alter Normen.

Und die Menge der Gebete sagt nichts über Heiligkeit.

LUKAS 5,33-39