KREUZREIM  

LUKAS  KAPITEL 4

JESU VERSUCHUNG

Vierzig Tage ohne einen Bissen.

Vierzig Nächte zwischen heiß und kalt.

Vierzig Tage ohne Ruhekissen,

Leben suchen ohne Unterhalt.

 

In der Wüste zwischen nackten Steinen,

heißer Sand und um sich stille Welt,

große Hitze durch der Sonne Scheinen,

nur für sich und auf sich selbst gestellt.

 

Nach der Taufe ging er vierzig Tage,

in die Wüste führte ihn der Geist.

In der Stille lernt er ohne Klage,

was Gehorsam und was Leben heißt.

 

Jesus aß nichts über viele Wochen.

Und am Ende hungerte ihn sehr.

Doch als hätte einer es gerochen,

taucht der Teufel auf; wer weiß woher!

 

Sehr direkt und gleichsam sehr einfühlend,

so versucht der Teufel zu verführn.

Die Gedanken schlängeln sich aufwühlend,

um am schwächsten Punkt ihn zu berührn.

 

„Bist du Gottes Sohn, so kannst du sprechen

zu den harten Steinen: Werdet Brot!“

So versucht der Teufel zu bestechen.

Er nutzt aus die große Hungersnot.

 

Jesus antwortet: „Es steht geschrieben:

Der Mensch lebt vom Brot nicht nur allein.

Es kann sein, er lebt von Luft und Lieben,

dringt ein Gotteswort in ihn hinein.“

 

Jesus lässt beim Brot sich nicht verführen.

Dann führt ihn der Teufel hoch hinauf.

Für den Augenblick lässt er ihn spüren,

alle Reiche der Welt tauchen auf.

 

Und der Teufel sagt: „Ich will dir geben

alle Macht und ihre Herrlichkeit.

Wenn du mich anbetest; geb‘ ich eben,

was du siehst an Welten weit und breit.“

 

Jesus weiß die Lockungen zu enden:

Gottes Wort hat über Satan Macht.

Wenn Gott spricht, dann muss er sich abwenden.

Er nutzt Gottesworte wohlbedacht.

 

Jesus antwortet: „Es steht geschrieben:

Du sollst anbeten nur Gott den Herrn!

Ihn allein nur sollst du dienend lieben!
Dieses ist des Glaubens tiefster Kern.“

 

Jesus lässt mit Macht sich nicht verführen.

Doch der Teufel gibt ihn noch nicht auf.

Er will Neid und Zweifel weiter schüren.

Er probiert es oft im Lebenslauf.

 

Und sie stehen auf des Tempels Zinnen,

ja, sie schauen unter sich hinab.

Dann sagt Satan leise sein Ansinnen:
„Jesus, stürze du dich hier herab.

 

Bist du Gottes Sohn, so wirf dich runter.

Seine Engel geben auf dich acht.

Unten bist du ganz gewiss noch munter.

Du bleibst sicher in des Himmels Macht.

 

Gottes Engel sollen dich bewahren,

werden auf den Händen tragen dich.

Wirf dich runter, dann wirst du erfahren:
Nicht ein Fuß stößt an den Steinen sich.“

 

Er versucht mit Gottes eignen Worten.

Er probiert’s mit Psalmen, mit der Schrift.

Er versucht es häufig allerorten.

In Gedanken spritzt er Teufelsgift.

 

Jesus antwortet: „Ich muss dir sagen:

Du sollst Gottes Macht nicht ausprobier’n,

nicht versuchen ihn und auch nicht plagen.

Er muss seine Macht nicht demonstrier‘n.“

 

Jesus will nicht seinen eignen Vater

auf die Probe stellen und damit

inszenieren sich wie im Theater.

Von der Zinne macht er keinen Schritt.

 

Nach dem allen muss der Teufel weichen.

Jesus hält Versuchungen hier stand.

Nach der Wüste gibt er Lebenszeichen.

Danach wird er überall bekannt.

 

Erst nachdem er die Verlockung kannte,

erst nachdem er allem widerstand,

Jesus sich an alle Armen wandte,

half er Kranken überall im Land.

LUKAS 4,1-15

 

 

JESU PREDIGT IN NAZARETH

 

Jeden Sabbat in der Synagoge,

so war er es schon als Kind gewohnt.

Dort sprach man die alten Dialoge,

weil dort in dem Schrein die Thora thront.

 

Jesus ging – so war es seine Sitte,

auch in Nazareth zum Beten hin.

Um zu lesen geht er in die Mitte,

und er fand im Buch Jesaja drin

 

eine Stelle, an der steht geschrieben, -

Jesus liest sie selbst der Menge vor;

während seine Augen am Text blieben,

lauschen alle Leute ihm ganz Ohr:

„Auf mir ist der Geist des Herren.

Wie beim König salbte er mein Haupt,

um Gefang’nen Tore aufzusperren,

um zu predigen, so, dass man glaubt.

 

Blinde sollen endlich wieder sehen.

Die Gefangenen, sie kommen frei.

Ich soll zu den armen Menschen gehen.

Beste Nachricht habe ich dabei.

 

Jedem, der in seinem Herz zerschlagen,

dem erzähl‘ ich: Gott ist euch nicht fern!
Und ich soll vor allen Menschen sagen:

es beginnt das Gnadenjahr des Herrn.“

 

Nachdem Jesus dieses vorgelesen,

schlug er zu das Buch und setzte sich.

Dann ist Stille in dem Raum gewesen.

„Was kommt jetzt?“ fragt man sich innerlich.

 

Alle Augen in der Synagoge

schauten ihn erwartungsvoll jetzt an.

Redet er nun wie ein Theologe?

Was sagt dieser Mann aus Kanaan?

 

„Heute hat vor allen euren Ohren

dieses Wort der Schrift sich jetzt erfüllt!“

-        sagte Jesus ihnen unverfroren.

Jesus zeigt sich ihnen unverhüllt.

 

Alle staunten, weil sie Jesus kannten.

Jeder fragt: „Ist das nicht Josefs Sohn?“

Ja, sie kannten alle die Verwandten.

Mancher ging zur Schule mit ihm schon.

 

Und sie wunderten sich seiner Worte.

Gnadenworte tat er ihnen kund.

Alte Verse, von besond’rer Sorte, -

nehmen Heilige nur in den Mund.

 

Er sprach weiter: „Keiner der Propheten

gilt etwas in seinem Vaterland.“

Alle schauten daraufhin betreten,

weil ihn jeder hier sofort verstand.

 

„Einmal werdet ihr das Sprichwort sagen:
Hilf dir selber, Arzt!“ – so sagte er.

Bei den Hörern wuchs das Unbehagen.

Und sie fragten sich: „Wer ist denn der?“

 

„Ihr wollt auch, dass ich hier Wunder tue,

große Dinge, wie ihr sie gehört.“

Immer mehr wuchs in dem Raum Unruhe,

weil sie sein Verhalten furchtbar stört.

 

„Die Propheten gingen nicht zu allen,

nur dem Einzelnen, dem halfen sie.“

Jesu Worte fanden Missgefallen.

In dem Haus entstand jetzt Hysterie.

 

In die Menschen ist der Zorn gestiegen.

Und sie stupsten ihn aus diesem Haus.

„Diesen Menschen sollte man bekriegen!“

Und sie stießen ihn zur Stadt hinaus.

 

Ja, sie führten ihn an einen Abhang

von dem Berg, auf dem die Stadt gebaut.

Ihr Gejohle weit ins Tal herab drang,

Ihrem Zorn machten sie Luft, sehr laut.

 

Dort hinunter wollte man ihn stoßen.

Man hat Ruhe, stürzt man ihn herab.

Diesen Prahlhans, diesen Gernegroßen,

lehnten sie in ihrer Stadt nur ab.

 

Jesus aber ging durch ihre Mitte

still hinweg. Die Menge staunend steht.

Jesus schreitet, er macht sich’re Schritte,

als er mitten durch sie durch hin geht.

 

Nicht zum erstenmal wollt man ihn töten.

Schon Herodes trachtete danach.

Nach Gelegenheiten, die sich böten,

suchten oft sie, bei dem, was er sprach.

 

Nicht zum letzten mal sollte er sterben.

Später starb er dann auf Golgatha.

Wer ihm nachfolgt, wird Verfolgung erben.

Feinden ist sein Anspruch viel zu klar.

LUKAS 4,16-30

 

 

DIE KRAFT DER WORTE

 

Nach Kapernaum ist Jesus dann gezogen,

einer kleinen Stadt am See Genezareth.

Dort sprach er von Gott in ihren Synagogen.

Alle staunten, denn er lehrte so komplett.

 

Seine Rede war so echt und überzeugend.

Seine Predigt ging direkt unter die Haut.

Sie klang ehrfürchtig, vor Gott sich tief verbeugend

Und so stark, weil er voll Gottes Macht vertraut.

 

Plötzlich schrie ein Mann ganz laut und wie besessen:
“Halt! Was willst du, Jesus? Du, aus Nazareth!

Du willst uns vernichten. Das sind die Int’ressen.

Ich weiß, wer du bist: Ein Heiliger! – Ich wett’.

 

Du bist nicht nur irgendeiner: Du bist jener,

der ‚der Heilige’ heißt. Du kommst klar von Gott.“

schrie er immer lauter zu dem Nazarener,

und sein Geist schien zwischen Anbetung und Spott.

 

Jesus spürte jene Kraft, die ihn bestimmte.

Er hat über sich selbst nicht allein Gewalt.

In ihm wohnt ein Geist, der vor dem Herrn ergrimmte.

Deshalb sprach er in die tiefen Schichten: „Halt!“

 

Er gebot dem Geist im Menschen zu verstummen.

Er befahl dem Geist: „Verlass den Mensch und schweig!“

Diesen beutelt es. Er fühlt es in sich brummen.

Er knickt in sich und fällt vor sie, wie ein Zweig.

 

Doch dann ist er frei und endlich ohne Macken.

Er kann zu sich steh’n und ist nicht fremdbestimmt.

Er spürt dies sofort. Ihm sitzt nichts mehr im Nacken,

weil ihn keine fremde Macht gefangen nimmt.

 

Als er auf den Boden fiel, nahm er nicht Schaden.

Er verletzte sich nicht und tat sich nicht weh.

Alles Volk und viele seiner Kameraden

waren tief erschrocken, sprachen laut: „Herrje!

 

Was hat der für Kraft und Macht mit seinen Worten.

Selbst die bösen Geister fahren durch ihn aus.“

Und man sprach von Jesus nun in allen Orten.

Man erzählte von ihm nun von Haus zu Haus.

 

Simon Petrus hatte hier enge Verwandte.

Seine Frau stammt aus dem Ort Kapernaum,

so dass jeder diesen Fischer hier gut kannte.

Schwiegereltern wohnten um die Ecke `rum.

 

Nach dem Gottesdienst sind sie dort hin gegangen.

Seine Schwiegermutter war schon länger krank.

Sie hat sie mit hohem Fieber hier empfangen.

Sie lag ganz apathisch auf der großen Bank.

 

Einer fragte Jesus: „Kannst du sie nicht heilen?“

Und auch and’re baten: „Mach sie doch gesund!“

Er trat zu der Frau, um bei ihr zu verweilen.

Und das Fieber wich sofort durch seinen Mund.

 

Sie stand auf und ging sogleich in ihre Küche.

Sie bereitete für alle Essen zu.

Von der Mahlzeit zogen durch das Haus Gerüche.

Sie bediente sie mit Wein und mit Ragout.

 

Als die Sonne sank und sich der Sabbat neigte

brachten sie noch viele Kranke in das Haus,

weil die Nachricht von den Wundern sich verzweigte.

Jesus trieb bei vielen böse Geister aus.

 

Und sie kamen zu ihm mit mancherlei Leiden.

Jedem Kranken legte er die Hände auf.

Und er konnte Geist und Krankheit unterscheiden.

Auch dass sie mal schrie’n nahm er in Kauf.

 

Böse Geister schrieen zu ihm: „Du Sohn Gottes!“

Doch ließ er zu Wort sie kommen nicht.

Er befahl zu schweigen aufgrund ihres Spottes.

Weil ein Geist, der schweigen muss, daran zerbricht.

 

Nachdem er die ganze Nacht durch viele Stunden

Menschen heilte, zog sich Jesus mal zurück.

Er braucht Abstand von den Kranken und Gesunden.

Er ging aus dem Haus zum Einsamsein ein Stück.

 

Doch sie folgten und sie suchten bis sie fanden

und sie kamen und sie hielten ihn gar fest.

Damit war nun Jesus gar nicht einverstanden.

Das erzeugte bei ihm heftigen Protest.

 

„Ich muss auch in andern Städten von Gott reden.

Ich muss predigen das Evangelium.

Ich bin hergeschickt zu predigen für jeden!

Gottes Reich erschließt sich allem Volk ringsum.“

 

Und so zog er durch die Städte immer weiter.

In den Synagogen lehrte er im Land.

In Judäa heilt er Kranke und befreit er

Menschen, die von dunklen Mächten übermannt.

LUKAS 4,31-44