KREUZREIM  

LUKAS  KAPITEL 22

 

WIDERSTANDSWILLE

 

Er ging hinaus so wie es die Gewohnheit war.

Er wollte beten, denn er suchte Gottes Wille.

Ihm folgte nach dem Abendmahl die Jüngerschar.

Kurz vor der Stadt am Ölberg fand er in die Stille.

 

Er wandte sich zu seinen Jüngern und sprach dann:

„Betet zu Gott, um nicht in Anfechtung zu fallen!“

Dann ließ er sie zurück und ging ein Stück bergan.

Er war nur einen Steinwurf weit entfernt von allen.

 

Er kniete nieder und er betete zu Gott:

„Mein Vater, willst du, ach, dann nimm von mir das Leiden.

Du weißt um meine große Angst vor dem Komplott.

Doch nicht mein Wille, sondern deiner soll entscheiden.“

 

Ein Engel von dem Himmel kam und stärkte ihn.

Er gab ihm Kraft in seinen großen Todesängsten.

Denn Jesus kämpfte mit dem Tod und es erschien

sein Schweiß wie Blut in dieser Nacht, - in seiner längsten.

 

Nachdem er heftiger gebetet hatte dort,

nachdem er mit dem Tod und Gott gerungen hatte,

ging er zu seinen Jüngern hin an ihren Ort.

Sie lagen in dem Gras und schliefen auf der Matte.

 

Sie waren eingeschlafen schlicht aus Traurigkeit.

Sie schafften nicht mit ihm zu beten und zu wachen.

Sie waren einfach matt und müde seinerzeit.

Trotz seiner Not war da bei ihnen nichts zu machen.

 

Und Jesus fragte sie: „Was schlaft ihr? Steht jetzt auf!

Ihr solltet beten, um Versuchungen zu meiden.

Durch Anfechtungen könnt ihr fallen im Verlauf.

Doch Beten gibt euch Kraft zum Widerstand im Leiden.“

 

Er gab sich selbst durch sein Gebet in Gottes Hand.

Er fügte sich gehorsam in den Willen Gottes.

Und gleichzeitig erhielt er Kraft zum Widerstand,

um auszuhalten diese Nacht des Mords und Spottes.

LUKAS 22,39-46

 

 

DER KUSS

 

Als Jesus eben noch mit seinen Jüngern sprach,

da kam von unten her die Truppe der Soldaten.

Die Tempelwache folgte einem Jünger nach,

mit Judas an der Spitze sie vor Jesus traten.

 

Der Judas wollte Jesus grüßen mit dem Kuss!

Das war das Zeichen für die Truppe der Soldaten.

Doch Jesus fragte ihn zuvor noch voll Verdruss:

„Willst du den Menschensohn mit einem Kuss verraten?“

 

Jetzt spürten auch die andern, was hier vor sich ging.

Die Jünger fragten: „Sollen wir dazwischen schlagen?“

Und einer nahm sein Schwert und ging mit diesem Ding

dem Knecht des Hohenpriesters mächtig an den Kragen.

 

Er schlug so zu, dass dieser Knecht sein Ohr verlor.

Doch Jesus solchem eine Absage erteilte.

„Hört auf damit!“ sprach Jesus und er nahm das Ohr,

berührte jenen Knecht, so dass es wieder heilte.

 

Dann wandte Jesus sich an all die hohen Herrn,

an hohe Priester, Älteste und ihre Leute: 

„Ich war doch täglich in dem Tempel, euch nicht fern,

weshalb kommt ihr jetzt nachts mit Waffen und mit Meute?

Warum habt ihr nicht tags die Hand an mich gelegt?
Sucht ihr denn hier den Räuber oder Kriminellen?
Ihr seid jetzt richtig froh, weil eure Stunde schlägt.

Die Macht der Finsternis wird heute nichts erhellen.“

LUKAS 22,47-53

 

 

ZU JESUS STEHEN

 

Immer wollte er bei Jesus bleiben,

ganz egal, was auch noch kommen mag.

Nichts und niemand sollte ihn vertreiben,

das versprach er noch am letzten Tag.

 

Ins Gefängnis wäre er gegangen.

Er versprach ihm Treue bis zum Tod.

Nun war Jesus tatsächlich gefangen.

Jetzt sah Petrus auch sich selbst bedroht.

 

Trotzdem folgte Petrus seinem Herren.

Bis zum Haus des Priesters ging er mit.

Niemand sollte ihm den Weg versperren.

Nur mit etwas Abstand hielt er Schritt.

 

Durch die Fenster konnte er ihn sehen.

Petrus stand am Feuer in dem Hof.

Er verfolgte drinnen das Geschehen.

Weiter ging er nicht. Er war nicht doof.

 

Um das Feuer saßen die Soldaten

und die Diener aus des Priesters Haus.

Plötzlich hat ihn eine Frau verraten:

„Der war mit ihm!“ kam es aus ihr `raus.

 

Soll er leugnen oder soll er fliehen?

In Sekundenschnelle sprach er dann,

um sich der Verhaftung zu entziehen:

„Nein! Ich kenne ihn nicht, diesen Mann!“

 

Doch nach einer Weile sprach ein Zweiter:

„Du gehörst doch auch zu dem dazu!“

Petrus leugnete es nur noch weiter:

„Mensch, ich bin es nicht! Lass mich in Ruh!“

 

Die Verhandlung dauerte sehr lange.

Petrus sah gespannt zu Jesus hin.

Ihm war schwer ums Herz und ihm war bange.

Angst und Sorge füllten seinen Sinn.

 

Er saß an dem Feuer in der Runde.

Die Gespräche gingen hin und her.

So verging die Zeit. Nach einer Stunde,

da ereiferte sich einer sehr:

 

„Schaut mal, da sitzt auch einer von denen,

die zu dem Gefangenen gehör’n,

kommt aus Galiläa, ist von jenen,

die auf diesen Rabbi Jesus schwör’n.“

 

Petrus sprach verdattert zu den Leuten,

als er alle Blicke auf sich zog:

„Mensch, was sagst du? Was soll das bedeuten?

Ich weiß gar nicht, was du meinst!“ – er log.

 

Just in dem Moment hört er ihn krähen.

Neuen Morgen kündete der Hahn.

Und er konnte einen Blick erspähen:
Jesu Augen hin zu Petrus sah’n.

 

Hatte er ihm doch verheißen:
„Eh der Hahn kräht, leugnest du dreimal.“

Seine Lügen konnten ihn zerreißen.

Jesu Blick durchdrang ihn radikal.

 

Er ging aus dem Hof ganz tief erschrocken.

Petrus weinte laut und bitterlich.

Nicht im Hals, im Herzen saß der Brocken.

Petrus war erschüttert über sich.

 

Er, der dicht bei Jesus bleiben wollte,

er, der treu sein wollte bis zum Tod,

er, der Starke, tat nicht, was er sollte,

er, das Großmaul, wurde schamvoll rot.

LUKAS 22, 54-62

 

 

SPOTT UND SPUCKE

 

Die Soldaten hatten Lust zum Spotten.

Sie verhöhnten und verlachten ihn.

Die Bewacher waren hartgesotten.

Jesus hat man ins Gesicht gespie’n.

 

Seine Augen haben sie verbunden.

Danach schlugen sie auf Jesus ein.

Auch ihr Lästermaul hat ihn geschunden:

„Sag, wer schlug dich“ – klangen Frotzelei’n.

 

Seine Macht versuchten sie zu testen,

ob er ihnen sagen kann, wer schlug,

suchten, dass sie Wunder aus ihm pressten.

Jesus ging nicht ein auf den Betrug.

 

Als es tagte, kamen sie zusammen,

alle Leute von dem Hohen Rat,

Urteil stand schon fest, ihn zu verdammen,

trotzdem hielt Gericht nun der Senat.

 

Jesus stand vor Priestern und Gelehrten,

und die Ältesten befragten ihn:  
„Bist du denn der Christus?“ – sie begehrten,

dies von ihm zu wissen, wie es schien.

 

Ist er der Messias, der Befreier?

War die Frage Täuschung oder echt?

Er enttarnte ihren frommen Schleier:

„Meine Antwort ist euch eh’ nicht recht!

 

Ihr glaubt’s doch nicht, wenn ich es euch sage.

Frage ich euch, antwortet ihr nicht.

Doch von nun an ändert sich die Lage,

denn jetzt hält der Menschensohn Gericht.

 

Er wird sitzen bald an Gottes Seite.

Er regiert mit Kraft und Macht die Welt.“

Jetzt ging die Empörung in die Breite,

alles hat sich gegen ihn gestellt.

 

„Willst du diesem hohen Rat hier sagen,

du bist Christus, du bist Gottes Sohn?“

Alles war gespannt bei diesen Fragen.

„Ja, ich bin es!“ kam als Reaktion.

 

„Wozu brauchen wir noch andre Zeugen?

Alle haben es von ihm gehört.

Er will unsre Gotteslehre beugen!“

riefen viele aus dem Rat empört.

 

Diese Antwort hatte sie verdrossen.

Das war Anmaßung, das war zuviel.

Und ihr Urteil war sehr schnell beschlossen:
Todesstrafe war erklärtes Ziel.

LUKAS 22,63-71