KREUZREIM  

LUKAS  KAPITEL 20

 

MACHTFRAGE

 

Jeden Tag war er im Tempel.

Ganz viel Volk kam zu ihm hin.

Was er sagte, was er lehrte,

war für alle ein Gewinn.

 

‚Jesus war ein großer Lehrer!’ -

fand das ganze Publikum.

Seine Predigt war gewaltig,

sie war Evangelium.

 

Auch wenn er infrage stellte,

machte er das meisterhaft.

Seine mutig-ernsten Worte

schafften Durchblick, gaben Kraft.

 

Auch auf jede ernste Frage

ging er klar und hilfreich ein.

Wer die Worte in sich aufnahm,

konnte himmlisch selig sein.

 

Typisch waren Streitgespräche

mit den Herrn vom Hohen Rat.

Älteste und Schriftgelehrte

trauten dem nicht, was er tat.

 

Auch die Herren Hohenpriester

zweifelten an seiner Macht.

Sie misstrauten seinen Worten,

hegten irgendwie Verdacht.

 

Alle Lehren in dem Tempel

prüften sie auf den Gehalt.

Als die oberste Behörde

waren sie dazu bestallt.

 

Eines Tages kam die Frage:

„Sage uns, aus welcher Macht

nimmst du deine ganze Lehre?

Wer hat dir das beigebracht?“

 

Dadurch wollten sie ihn prüfen.

Im Gespräch, erst recht im Streit,

sagt man schnell auch falsche Worte,

denn da hat man nicht viel Zeit.

 

Würde er sich jetzt versprechen,

hätten sie ihn bloßgestellt,

könnten sie ihn leicht blamieren

öffentlich vor aller Welt.

 

Er gab eine Gegenfrage:

„Sagt mir eine Antwort gleich:
War die Taufe des Johannes

aus dem himmlischen Bereich?

 

Oder war sie nur ganz menschlich?“

Ihre Antwort brauchte Zeit.

Sie bedachten und besprachen

dieses Thema ziemlich breit.

 

„Wenn wir sagen: ‚Sie war himmlisch!’

fragt uns Jesus doch sofort,
warum wir ihm dann nicht glaubten!
Keiner hinderte den Mord.

 

Wenn wir sagen: ‚Sie war menschlich!’

steinigt uns das Volk doch gleich,

denn sie glaubten dem Johannes

als Prophet vom Himmelreich.“

 

Hin und her ging ihre Rede.
Ihre Antwort fiel sehr schwer,

ob die Taufe des Johannes

menschlich oder himmlisch wär.

 

Schließlich sagten sie, sie wüssten

nichts zu sagen hier dazu.

„Dann“ sprach Jesus, „ist die Frage

auch nach meiner Macht tabu!

 

Könnt ihr keine Antwort geben,

sage ich euch dies auch nicht,

wer mir Macht gab, so zu handeln!“
Zorn schoss ihnen ins Gesicht.

 

Diese, die sonst alles wussten,

bangten nur um ihre Macht.

Heuchlerisch, aus Angst vor Menschen,

waren sie voll Niedertracht.

 

Wahrheit bleibt dort auf der Strecke,

wo Bekenntnis nötig wär.

Gottesfurcht war hier gefordert.

Hohen Menschen fällt sie schwer.

 

Gott zu fürchten, mehr als Menschen,

das gab Jesus starke Kraft.

Vollmacht gibt es nur mit Demut -

auch in seiner Jüngerschaft.

LUKAS 20,1-8

 

 

ALLES NUR GELIEHEN

 

Manches lässt sich besser sagen

als Geschichte und Vergleich.

Oft sprach Jesus in Parabeln

und erklärte Gottes Reich.

 

Jesus sprach durch solch ein Gleichnis

bildhaft und nur indirekt,

doch die Hörer spürten trotzdem,

welche Wahrheit darin steckt.

 

„Einen wunderschönen Weinberg

legte sich ein Mann einst an:

gute Pflanzen, viele Triebe,

Sonnenseite und bergan.

 

Doch er musste außer Landes.

Er verreiste lange Zeit.

Deshalb hat er ihn verpachtet.

Alles war soweit bereit.

 

Ein paar Weingärtner des Dorfes

übernahmen diesen Hang,

freuten sich auf die Erträge,

schafften auch mit Tatendrang.

 

Schließlich kam die Zeit der Ernte.

Der Besitzer schickte hin

einen Boten, um zu holen

seinen Anteil vom Gewinn.

 

Doch die Winzer wurden böse,

schlugen auf den Boten ein,

schickten ihn mit leeren Händen

wieder fort, - echt hundsgemein.

 

Der Besitzer konnt’ kaum glauben,

was  mit seinem Mann geschah,

schickte deshalb einen Zweiten.

Wieder gab es den Eklat.

 

Die Genossenschaft der Winzer

schlug auch den und schickt ihn fort.

Sie beschimpften ihn auch heftig.

Es fiel manches böse Wort.

 

Als der Knecht mit leeren Händen

so vor seinem Herren stand,

sandte der noch einen dritten

Boten in sein Heimatland.

 

Diesen schlugen sie so heftig,

dass er blutete verletzt,

schmissen ihn dann aus dem Weinberg.

Der Besitzer war entsetzt!

 

Deshalb sprach der Herr des Weinbergs:

‚Ach was mache ich denn bloß?

Wen schick ich zu meinen Pächtern?
Sind sie ganz gewissenlos?

 

Ich will meinen Sohn hin senden.

Vielleicht hören sie auf ihn.

Ob sie sich vor ihm nicht schämen,

denn der Weinberg ist geliehn?!

 

Meinen Sohn, den ich sehr liebe,

diesen achten sie bestimmt.

Ach, ich hoffe und ich wünschte,

dass man auf ihn Rücksicht nimmt.’

 

Als die Pächter von dem Weinberg

schon erkannten seinen Sohn,

überlegten sie gemeinsam

ihre nächste Reaktion:

 

‚Wenn wir diesen Erben töten,

dann steht uns die Erbschaft zu.

Kommt wir machen es gemeinsam!’

Planten sie den ganzen Schmu.

 

Und sie stießen und sie schmissen

seinen Sohn vom Weinberg `raus,

töteten ihn vor den Toren,

ohne Mitleid, voller Graus.

 

Was wird wohl der Herr des Weinbergs

mit den bösen Winzern tun?

Er wird kommen und sie töten.

Ohne Hoffnung sind sie nun.

 

Seinen Weinberg gibt er andern.

Neue Pächter sucht er sich.

Denn der Bund mit seinen alten

war ja schließlich fürchterlich.“

 

Als sie dieses Gleichnis hörten,

sprachen alle: „Aber nein!

So was gibt es doch auch gar nicht!

So was darf doch gar nicht sein!“

 

Jesus sah sie an und sagte:
“In den Psalmen steht ein Satz,

was bedeuten seine Worte,

was meint ihr, wo hat der Platz?

 

Dort wird von dem Stein geschrieben,

liegt erst weggeworfen da,

denn die Arbeiter des Hauses

hielten ihn für unbrauchbar.

 

Doch er wurde zu dem Grundstein,

trägt das Haus mit dem Gewicht.

Wie ein Eckstein oder Pfosten

hält er es, dass nichts zerbricht.

 

Er wird jeden Mann zermalmen,

wenn er auf ihn niederfällt.

Sollte einer auf ihn fallen,

ist es so, dass er zerschellt.“

 

Sofort merkten ein paar Männer,

wem das ganze Gleichnis galt.

Es sprach klar von Gottes Weinberg

und von menschlicher Gewalt.

 

Es erzählt von Gottes Langmut,

wie oft er die Boten schickt,

wie oft Menschen Gott sein wollen,

von der Selbstsucht als Delikt.

 

Schriftgelehrte, Hohepriester

merkten gleich: Das galt für sie.

Ihre Rolle war vergleichbar

mit der Winzer Strategie.

 

Denn sie überlegten lang schon,

wie man jenen töten kann,

der sich selbst als Sohn erklärte.

Wie kam man an Jesus `ran?

 

Die Geschichten war’n gefährlich,

sie entlarvten ihre Macht.

Deshalb hätten sie am liebsten

Jesus sofort umgebracht.

 

Nur aus Angst vor Volk und Menge

Schoben sie den Mordplan auf.

Denn die Menschen liebten Jesus,

standen hier im Kreis zu Hauf.

 

Doch sie lauerten und suchten

nach der nächsten Möglichkeit,

ihn in seinem Wort zu fangen,

nutzten die Gelegenheit.

 

Wenn er sich verführen ließe, -

schon ein falsches Wort genügt, -

könnten sie ihn überführen,

dass er Gott und Kaiser trügt.

 

Deshalb sandten sie ihm Leute,

die verstellten sich vor ihm,

taten fromm und gottesfürchtig,

aber kamen vom Regime.

 

„Meister!“ sagten sie zu Jesus.

„Du lehrst aufrichtig und gut.

Ohne Rücksicht auf das Anseh’n

redest du auch im Disput.

 

Du lehrst Gottes Wege richtig,

sagst die Wahrheit jederzeit.

Kannst du eine Antwort geben

auf die Frage in dem Streit:

 

Will Gott, dass wir Steuern zahlen

an den Kaiser oder nicht?

Gott und Kaiser, wem von beiden,

dienen wir mit dieser Pflicht?“

 

Jesus merkte ihre Falle,

er durchschaute ihren Trick,

Ist er gegen Steuernzahlen,

brechen Römer sein Genick.

 

Ist er aber für die Steuern,

ist er gegen Volk und Gott.

Unterstützt er die Besatzer,

stellt das Volk ihn aufs Schafott.

 

„Zeigt mir einen Silbergroschen!“

fordert er die Leute auf.

Wessen Name ist zu lesen?
Wessen Bild seht ihr darauf?“

 

Alle sprachen: „Von dem Kaiser!“

Jesus sagte unverstört:
“Gebt dem Kaiser, was des Kaisers!

Und gebt Gott, was ihm gehört.“

 

Und sie konnten ihn nicht fangen. –

Seine Antwort war zu klug.

Seine Worte waren Wahrheit,

ihre Falle Selbstbetrug.

 

Still vor Staunen und sich wundernd

standen sie noch dicht bei dicht.

Schweigen füllte alle Menschen.

Nachdenklich war ihr Gesicht.

 

Alles ist doch nur geliehen.

Alles schuf der Herr der Welt.

Menschen sind doch nur Verwalter

von dem Leben, Macht und Geld.

LUKAS 20,9-26

 

ENGELGLEICH

 

Sadduzäer waren vornehm,

eine Religionspartei.

Oft gehörten sie zum Adel,

fühlten sich in allem frei.

 

Sadduzäer waren Denker,

klärten alles mit Vernunft,

glaubten nicht an Auferstehung

oder Engel – in der Zunft.

 

Und sie waren nicht gesetzlich,

wie die Pharisäerschaft,

glaubten eher Wissenschaften,

als an Gottes starke Kraft.

 

Einmal kamen Sadduzäer.

Und sie fragten Jesus laut:
“Meister! Mose gab die Ordnung

über Heirat, Tod und Braut.

 

Mose hat es so geregelt:
Stirbt von einer Frau der Mann

und sie hatten keine Kinder,

traut man ihr den Schwager an.

 

Denn, damit der Tote lebe

und in Kindern aufersteht,

soll der Bruder Kinder zeugen!
- sagte Mose sehr konkret.

 

Schau, da waren sieben Brüder.

Einer nahm sich eine Frau.

Doch er starb noch ohne Kinder

und der zweite folgt genau.

 

Auch der dritte und der vierte,

bis zum siebten ging es hin,

alle starben ohne Kinder,

keinmal war sie Wöchnerin.

 

Nun starb auch die Frau als letzte.

Wessen Frau wird sie dort sein -

schließlich nach der Auferstehung?

Kannst du uns das prophezei’n?“

 

Wollten sie ihm nur beweisen:

‚Auferstehung gibt es nicht’,

so erstarrte schnell ihr Lächeln,

und ihr Zweifel kam ans Licht.

 

Auch wenn sie nur prüfen wollten,

wie er an die Zukunft glaubt.

Jesus stellte sich der Frage

und klärt vieles überhaupt.

 

„Kinder dieser Welt und Zeiten,

ja, die ehelichen sich.

Doch die Kinder jener Weltzeit

sind dann dort nicht ehelich.

 

Alle, die gewürdigt werden

aus den Toten aufzusteh’n,

teil an jener Welt zu haben

und in sie hineinzugeh’n,

 

werden sich nicht trauen lassen,

so wie ihr das menschlich kennt,

weder Mann noch Frau sich nehmen.

Heirat ist kein Argument.

 

Denn sie können dort nicht sterben,

denn sie sind den Engeln gleich.

‚Kinder Gottes’ ist ihr Name,

heißen sie in Gottes Reich.

 

‚Kinder von der Auferstehung’

werden sie schon jetzt genannt.

Wer in Gott lebt, ist nicht sterblich,

ist als Gottes Kind erkannt.

 

Mose hat schon angedeutet,

dass die Toten aufersteh’n.

Seine Schriften könnt ihr lesen,

doch ihr müsst genau hinseh’n.

 

Vor dem Dornbusch spricht er Gott an.

Er nennt ihn Gott Abrahams

und Gott Isaaks und Jakobs.

Nicht als Vater seines Stamms,

 

nicht als Herrn und Gott der Toten,

sprach ihn Mose damals an,

sondern weil sie in ihm leben,

weil er auferwecken kann.

 

Gott ist nicht ein Gott der Toten,

sondern von den Lebenden.

Alle werden in ihm leben.

‚Kinder Gottes’ ich sie nenn.“

 

Selbst die Schriftgelehrten staunten.

Nach der Rede sagten sie:
“Meister, du hast schön gesprochen.

Das war mehr als Theorie.“

 

Jede Frage war ein Anlass

und gab ihm genügend Grund,

seine Lehren zu verkünden,

seine Weisheit tat er kund.

 

Deshalb schwiegen alle stille.

Keiner wagte sich hervor,

ihn noch irgendwas zu fragen,

weil man gegen ihn verlor.

 

Auferstehung kann nur glauben,

wer von Herzen Gott vertraut.

Wissenschaftlich, philosophisch

bleibt sie Menschengeist verbaut.

 

Nicht nur Leben in den Kindern,

keine Reinkarnation,

sondern engelgleich bei Gott sein,

Kind im himmlischen Äon.

LUKAS 20,27-40

 

 

HERR ODER SOHN

 

Es war immer eine Frage:

Ist denn Jesus Gottes Sohn?

Ist er der ersehnte Christus?

Wie erfüllt er Tradition?

 

Jesus stellte eine Frage

in dem Tempel, in dem Kreis,

um mit ihnen noch zu klären,

was man vom Messias weiß:

 

„Wieso sagen sie der Christus

sei auch König Davids Sohn?

David selber in den Psalmen

spricht von seinem ‚Herren’ schon.

 

In den Psalmen steht geschrieben:

‚Gott sprach so zu meinem Herrn:
Setze dich zu meiner Rechten

bis ich die von nah und fern,

 

deine Feinde dir zu Füßen

hier vor deinen Schemel leg.’

Seht ihr, David spricht vom ‚Herren’.

Dieses ist der Schriftbeleg.

 

Meint ihr, er wird ‚Herr’ ihn nennen,

wenn es doch sein eigner Sohn?

Ist er ihm dann unterwürfig,

sitzt der Christus auf dem Thron?“

 

‚Sohn’ und ‚Herr’ bleibt unverständlich

dem, der Jesus nicht geglaubt,

der den Titel und die Ehre

„Christus“ diesem Jesus raubt.

LUKAS 20,41-44

 

 

WARNUNG

 

Noch mal sprach er zu den Jüngern,

während alles Volk ihn hört:

„Hütet euch vor Schriftgelehrten!

Über sie bin ich empört!

 

Denn sie lieben schöne Kleider,

damit auf und ab zu geh’n,

lassen sich sehr gerne grüßen,

wenn sie auf dem Marktplatz steh’n.

 

Und in ihren Synagogen

sitzen sie gern obenan.

Ihnen wird es gut gefallen,

nennt man sie noch ‚Ehrenmann’.

 

Doch sie fressen gierig Häuser

von den Witwen in der Stadt,

beten ellenlange Psalmen,

nur zum Schein und ziemlich platt.

 

Doch sie müssen damit rechnen,

dass der Richtspruch für sie fällt.

Gott verurteilt sie besonders,

weil das seine Schrift entstellt.“

LUKAS 20,45-47