KREUZREIM  

LUKAS  KAPITEL 2

 

HEILIGABEND

 

Mitten in der Nacht,  als alles dunkel war,

brannte in Bethlehem,  im Stall  noch die Laterne.

In dem trüben Licht saß ein verliebtes Paar;

Maria und Josef, die hatten sich sehr gerne.

 

Mitten in der Nacht,  als alle Welt schon schlief,

bekam die Frau ein Kind und freut sich an dem Wunder.

Dieser kleine Mensch,  der schreit und atmet tief,

es ist ein kleiner Sohn, ein Junge, ein gesunder.

 

Krippe in dem Stall,  der Futtertrog aus Holz,

der wurde für das Kind in dieser Nacht zur Wiege.

Sie legten dort das Kind auf Heu und Stroh. Was soll's?

Für viele ist normal,  der Sack aus Stroh als Liege.

 

 

Mitten in der Nacht,  als alles stille schien,

waren auf einem Feld die Schafe einer Herde.

Hirten schrecken auf durch sanfte Melodien!

Es leuchtet in der Nacht!  Engel auf der Erde.

 

,,Fürchtet euch doch nicht!" so rufen sie es laut

,,Wir bringen euch das Heil und Frieden für die Erde.

Gute Nachricht heißt: Gott kommt jetzt ganz vertraut.

Sein Sohn ist heut geboren,  dass er der Retter werde.

 

Engel singen schön. Gott ehrt ihren Gesang.

Die Hirten rennen los und suchen nach dem Stalle,

finden dort das Kind,  bestaunen es sehr lang.

Sie preisen Gott mit Lob und beten zu ihm alle.

 

 

Mitten in der Nacht ein heller Stern zu sehen.

Drei Weisen fällt er auf. Sie folgen diesem Zeichen.

Ziehen hinterher,  von Land zu  Land sie gehen,

Drei Könige von fern Jerusalem erreichen.

 

Nein,  hier gibt es nichts, doch ist man gern bereit,

zu forschen und zu hören,  ob sie den  Heiland finden.

Weiter schickt man sie nach  Betlehem,  nicht weit.

Dort können sie das Glück des Lebens dann empfinden.

 

Mitten in der Nacht,  der Stern über der Stadt

blieb über dem Stall stehen,  in  dem sie Jesus sehen.

Suche hat Erfolg,  sie finden in der Tat

das Kind, das sie erlöst, bevor sie wieder gehen.

                        LUKAS 2,1-20 U. MATTH.2,1-12  

 

 

WEIHNACHTSGEDICHT

 

Auf Straße 5 - für Esel nur

schaut Joseph dauernd nach der Uhr.

Es ist schon 10 - und immer noch

von Hilfskamel kein Schwanz zu sehen.

Da heißt es Samariterbund

und dabei ist's der letzte Schund.

Maria seine Anvertraute

wie wild auf seinen Esel haute.

„Du dummes Biest jetzt lauf doch weiter“

sagt Joseph x-mal und jetzt schreit er:

„Wir haben kein Reservestroh

und außerdem muss ich auf's Klo!“

 

Als Luftlinie sind's 110,

zu Fuß fast nicht mehr abzusehn,

wie viele Kilometer sie

mit diesem dusseligen Vieh

zurücklegen von Nazareth

nach Bethlehem zum warmen Bett.

Schon eine Woche wandern sie

mit ihrem undankbaren Vieh.

Jetzt macht er endlich einen Satz

und schafft den andern Eseln Platz.

 

Die Vorstadt ist schon rappelvoll,

und Joseph kämpft mit seinem Groll.

Maria denkt in ihrem Sinn,

wo führt uns nur dies Chaos hin.

Die ganze Stadt ist voller Leute,

weil August, als der Kaiser heute

jeden zu seiner Vaterstadt

zwecks Zählung heimgerufen hat.

„Der August hat doch wohl `nen Fimmel

verursacht uns hier so' n Gewimmel!“

„Holy-day-Inn ist ausgebucht“

sagt Joseph und er sucht und sucht.

Und auch im Wirtshaus „Goldnes Kalb“

teilt man die Betten halb und halb.

Maria ist schon sehr verzagt,

weil jeder Wirt zu Joseph sagt:

„Probieren sie's doch nebenan

und lassen Sie mich, junger Mann!“

 

Dann spürt Maria starke Schmerzen.

Ihr geht das alles sehr zu Herzen.

Im 9.Monat ist sie schon,

denn sie erwartet einen Sohn.

Zu Hause gab es Krach darum,

denn Joseph wusste nicht warum

Maria plötzlich schwanger war.

Er kam ihr doch noch nie zu nah.

Dass Gott der wahre Vater sei

erschien ihm als Betrügerei.

Am Anfang wollt` er sie verlassen,

danach ganz einfach nur sie hassen;

bis er zum Schluss dann nur noch schmollte

und dennoch bei ihr bleiben wollte.

Im Traum ward Joseph aufgeklärt

und eines Besseren belehrt:

Du musst das einsehn, Joseph, schau:

Maria ist auch Gottes Frau.

 

Als Joseph an dem nächsten Haus

ganz leise klopft, kommt jemand raus.

Es ist der Wirt im Negligee

und kocht für sie erst mal schnell Tee.

Doch ist das Haus schon überall

ganz proppenvoll - nur noch der Stall

ist übrig und so wollen sie

heut Nacht dann schlafen bei dem Vieh.

Der Duft ist nicht sehr angenehm

und auch das Bett ist unbequem.

Und g‘rade als sie schlafen gehen,

da kommen bei Maria Wehen.

 

Kein Arzt ist heute auf Station,

um zu entbinden Gottes Sohn.

So muss es Joseph selber tun

und kann die ganze Nacht nicht ruh‘n.

Jetzt noch der Klapps auf seinen Po,

schon schreit das Kind, dann lacht es froh.

Ein Futtertrog herbeigebracht

ist eine Wiege für die Nacht.

Von Heil'genschein ist nichts zu sehen,

nur ein paar Windeln und die Zehen.

Der Ochse staunt, der Esel stöhnt.

Den Anblick sind sie nicht gewöhnt.

 

 

Kurz vor der Stadt auf freiem Feld

haben sich Hirten aufgestellt.

Zwei Dünne und ein Dickerchen,

die machen g'rad ein Nickerchen.

Und auch die Schafe schlafen süß,

denn rings umher ist Finsternüß.

Ganz plötzlich tritt ein toller Chor

mit einer Spitzenband hervor.

Sie kommen aus der Dunkelheit

und hören, wie der Dicke schreit.

Der Schreck war doch zuviel für ihn

und eine Ohnmacht schlägt ihn hin.

„Habt keine Angst!“ ertönt's im Chor

und alle Hirten treten vor.

Der Chor singt fromme Kirchenlieder

und langsam kommt der Dicke wieder.

Sie singen von dem Kind im Stall

- jetzt mit Vibrato und mit Hall –

und sie behaupten frech und frei,

dass er der Retter aller sei.

Zum Schluss: „Nun danket alle Gott“

und schwups sind sie zum Himmel fort.

Der Letzte steht noch wie gebannt,

als schon der erste los gerannt.

Dem Dicken rutscht die Hose fast,

doch läuft er weiter ohne Rast.

Der früher letzter war beim Rennen,

der darf sich jetzt der Erste nennen.

 

Beschrieben war es ganz genau,

wo Joseph ist mit seiner Frau.

Sie finden Joe mit der Marie

und fallen nieder auf die Knie

vor diesem neugebornen Kind

und sagen, dass sie glücklich sind.

LUKAS 2,1-20  

 

ES BEGAB SICH

 

Es begab sich aber zu der Zeit,

ein Gebot erging für weit und breit

von dem Kaiser, der Augustus hieß

und der folgenden Befehl erließ:

 

Alle Menschen auf der ganzen Welt

wurden damals in die Stadt bestellt,

dorthin, wo man einst geboren war,

um zu zählen diese ganze Schar.

 

So erfuhr er dann die Steuerkraft.

Jeder gab ihm dafür Rechenschaft.

Jeder trug sich in die Listen ein.

Das geschah noch nie so allgemein.

 

Auch in Syrien, da wurd’ gezählt.

Der Quirinius war auserwählt

und als Gouverneur war er bestimmt,

dass er alle in die Listen nimmt.

 

Josef aus dem Städtchen Nazareth

hatte Vorfahren von A bis Z.

Auch von König David stammt er ab.

Dieser Umstand brachte ihn auf Trab.

 

Denn er zog von Galiläa fort

bis nach Bethlehem, in jenen Ort,

wo die Sippe wohnte seinerzeit,

und der Weg dorthin war ziemlich weit.

 

Doch er musste nicht allein gehen.

Auch die Frau ging mit und sollte sehn,

dass sie sich mit in die Liste trug.

Damit taten sie der Pflicht genug.

 

Von dem Kaiser wurden sie gehetzt.

Angekommen wurden sie geschätzt:
Wie viel war der Einzelne wohl wert?
Wer nach Geld geschätzt wird, ist entehrt.

 

Josefs Frau war schwanger seinerzeit.

Doch es gab kein Bett mehr weit und breit.

Jedes Gasthaus war schon ausgebucht.

Schließlich haben sie `nen Stall gesucht.

 

Dort gebar Maria dann ein Kind.

Trotz des Stalles war’n sie frohgesinnt,

freuten sich an ihrem ersten Sohn,

wickelten in Windeln damals schon.

 

Keine Wiege stand für ihn bereit.

Auch kein Thron für seine Göttlichkeit.

In dem Futtertrog lag er recht gut,

zwischen Stroh und Heu ein kleiner Jud’.

 

Hirten saßen auch in dieser Nacht

in der Gegend, und sie hielten Wacht

bei den Schafen draußen auf dem Feld;

Hürden waren ringsum aufgestellt.

 

Plötzlich strahlte Licht hell wie ein Stern.

Vor sie trat ein Engel von dem Herrn.

Klarheit Gottes leuchtete für sie.

Das war kein Gespenst, nicht Phantasie.

 

So was hatte keiner je erlebt.

Voller Schrecken - als ob alles bebt -

Furcht und Angst ergriff die Hirten dort.

Doch der Engel sprach jetzt Gottes Wort:

 

„Keine Angst! Und fürchtet euch auch nicht!

Weil Gott große Freude euch verspricht.

Heute ist der Christus hier gebor’n.

Davids Stadt ist dazu auserkor’n.

 

Für euch kommt der Heiland in die Welt.

Freude herrscht im ganzen Himmelszelt.

Allen Menschen gilt die Gotteskraft,

die sie retten kann und Frieden schafft.

 

Finden werdet ihr das Christus-Kind,

wo sonst Schafe, Rinder, Esel sind,

liegt in einer Krippe diese Nacht,

wo es froh aus seinen Windeln lacht.“

 

Plötzlich stand beim Engel noch ein Chor.

Lauter Himmelsboten traten vor.

Alle lobten Gott und sprachen so:
“Ehre sei dem Gott; denn er macht froh.

 

In dem Himmel und auf Erden gilt:
Sehnsucht nach dem Frieden wird gestillt.

Friede Gottes herrscht in dieser Welt,

weil es Gott und Menschen wohlgefällt.“

 

Dann entschwanden alle Engel weg.

Und die Hirten sprachen noch voll Schreck:

„Lasst uns gehen nach Bethlehem und sehn,

wo heut’ die Geschichte ist gescheh’n,

 

und von der uns Gott berichtet hat.

Kommt wir gehen alle in die Stadt.“

Und sie gingen schnell und fanden sie:
Josef und Maria, auch das Vieh,

 

und das Kind, das in der Krippe lag.

Ach, es war schon ein besond’rer Tag.

Und nachdem sie dort gewesen sind,

sprachen sie fortwährend von dem Kind.

 

Sie erzählten überall von ihm,

von den Engeln und den Cherubim,

was sie hörten, was sie sahen in der Nacht,

welche Freude Gott den Menschen macht.

 

Und es wunderten sich alle sehr.

Die es hörten, staunten immer mehr.

Auch Maria hielt die Worte fest,

tief bewegt sie in das Herz reinlässt.

 

Danach kehrten alle Hirten um,

lobten Gott und priesen ihn darum,

weil sie dieses hörten und auch sah’n,

was Gott für die Menschen hat getan.

 

Nach acht Tagen wurde dann das Kind

auch beschnitten, weil sie Juden sind.

„Jesus“ wurde dieser Sohn genannt.

So gab es der Engel schon bekannt,

 

als er der Maria einst erschien.

Deshalb nannten sie jetzt „Jesus“ ihn.

Das bedeutet „Retter“, denn er ist

Retter für die Menschen, - Jesus Christ.

Lukas 2,1-21

 

ERFÜLLUNG

 

Seit Jahren lebt er in der Stadt.

Nicht weil sie große Märkte hat.

Nein! In ihr steht das Gotteshaus.

Dort geht er täglich ein und aus.

 

Seit Jahren wartet er nun schon

auf den Messias, Gottes Sohn,

weil ihm vor endlos langer Zeit

dies irgendwie geprophezeit.

 

Ihm war gesagt, er stürbe nicht

bevor er Christus zu Gesicht

bekäme. Und so wartet er.

Inzwischen fällt das Gehen schwer.

 

Man hat ihn für verrückt erklärt.

Man sagt zu ihm: „Das ist verjährt.“

Man lacht ihn aus – den alten Mann.
Und manchmal fragt er selbst sich: „Wann?“

 

Der Simeon ist fromm und alt.

Der Tod macht auch vor ihm nicht Halt.

Das weiß der Simeon genau,

denn seine Haare sind schon grau.

 

Trotz allen Spottes glaubt er fest,

weil er auf Gott sich ganz verlässt.

Das, was Gott zusagt, hält er auch.

Von Zweifeln spürt er nicht den Hauch.

 

Nur leidet er an dieser Welt,

an Bosheit und der Jagd nach Geld,

an Gottvergessenheit und Neid,

an Not und Elend, Angst und Leid.

 

Mit Simeon ist Gottes Geist,

der ihn schon jetzt darauf verweist:

„Mit Christus kommt auch Gottes Trost.

D’rum sei gelassen, nicht erbost!“

 

Er fragt sich oft: Wie sieht er aus?

Wo treff ich ihn, in welchem Haus?

Erkenn ich den Messias gleich?

Kommt er mit Macht und ist er reich?

 

Und wieder einmal geht er hin.

Im Tempel – kommt ihm in den Sinn –

da treff ich ihn womöglich an,

den lang ersehnten Gottesmann.

 

Dort sieht man Priester im Gewand.

Dort trifft sich aus dem ganzen Land

das Volk zum Beten und Gesang.

Vielfältig hört man Stimmenklang.

 

Es riecht nach Schafen und nach Rauch,

denn opfern kann man sehr wohl auch.

Der Duft von manchem Opfertier

Steigt auf zu Gott vom Tempel hier.

 

Krumm geht der Simeon durchs Tor.

Ein junges Paar geht ihm zuvor.

Die tragen auf dem Arm ein Kind

und zeigen, dass sie glücklich sind.

 

Sie wollen hier nach altem Brauch

aus Dankbarkeit Gott opfern auch.

Zwei Tauben gibt man für den Sohn.

Die kauften sie beim Händler schon.

 

Weil man den ersten Sohn Gott weiht

ist es nicht die Besonderheit,

dass junge Paare mit dem Kind

zum Opfern hier im Tempel sind.

 

Doch Simeon brennt es im Herz,

ein Glücksgefühl fast wie ein Schmerz.

Er nimmt das Kind auf seinen Arm.

Im ganzen Körper wird ihm warm.

 

Nie hätt er an ein Kind gedacht.

Da hätt er selbst sich ausgelacht.

Doch fühlt er: Dieser wird es sein.

Er ist der Christus, er allein.

 

Die Eltern sehn den alten Mann

erstaunt mit ihren Augen an

und hören, was er zu Gott spricht:

„Dies Kind bringt in die Welt dein Licht!

 

Ich kann in Frieden zu dir gehn.

Ich hab den Heiland heut gesehn.

Was Gott verspricht, das hält er auch.

Nun ich nicht länger warten brauch.“

 

Die Eltern wundern sich doch sehr.

Und Simeon erklärt noch mehr:

„Er wird für alle, groß und klein,

der Richter oder Retter sein.

 

Für Israel ist er der Ruhm,

bringt Licht auch in das Heidentum.

Doch wer sich ihm entgegensetzt,

die Ehre Gottes schwer verletzt.

 

Man lehnt ihn ab. Es gibt viel Spott.

Wer ihn nicht mag ist gegen Gott.

Dir, Mutter, sag ich, geht der Schmerz

oft wie ein Schwert auch durch dein Herz.“

 

Sehr ernst wird Josef im Gesicht,

als er so mit Maria spricht.

Und Simeon erklärt sehr breit,

was ihm vor langem prophezeit.

 

Noch während Simeon erklärt,

wie lang schon die Verheißung währt,

kommt Hanna, die Prophetin her,

sieht auch das Kind und lobt Gott sehr.

 

Fast nur im Tempel lebt die Frau,

ist hochbetagt und weiß genau,

wie Tränen schmecken, was sie fühlt,

wenn Leid und Trauer in ihr wühlt.

 

Nach kurzer Ehe starb ihr Mann.

Die Witwe dient Gott, wie sie kann.

Mit Fasten, Beten - Tag und Nacht –

hat sie ihr Leben zugebracht.

 

Jetzt lobt sie Gott für dieses Kind,

erzählt es allen ganz geschwind,

dass er Jerusalem befreit

von Angst und Klage, Not und Leid.

 

Und Simeon sagt nun erneut,

er könne sterben, weil er heut

den Heiland noch vor Augen sah.

Er singt und lobt, weil dies geschah.

 

„Dies ist erst recht für mich Indiz:

Wenn Gott sagt, dass er kommt, geschieht’s.

Weil Gott erfüllt, was er verspricht,

freu ich mich auf das Himmelslicht.“

LUKAS 2,21-40     

 

 

ACH DU SCHRECK – PLÖTZLICH WEG!

 

Jesus war kein kleines Kind mehr,

doch er war auch noch nicht groß,

12 Jahre war er grad geworden –

da ging es eines Tages los:

 

Familie Jesus packt die Koffer.

Man lud dem alten Esel auf.

Sie machten wieder mal ne Reise,

mit Sack und Pack, bergab, bergauf.

 

Wie jedes Jahr ging’s in die Hauptstadt,

dort wo der große Tempel stand;

zu diesem Gotteshause zog man,

bis dahin ging es quer durchs Land.

 

Das Passahfest wollten sie feiern –

das ist heut unser Osterfest.

Als man dort endlich angekommen,

sagt Josef dann: „Kommt, singt und esst!“

 

Die ganze Sippschaft war schon dort

und alte Freunde traf man auch.

Es wurde viel erzählt von früher,

man feierte nach altem Brauch.

 

Erinnert wurde an die Zeit von damals,

als Juden noch die Sklaven war‘n

beim Pharao im Land Ägypten

vor vielen, vielen hundert Jahr’n.

 

Erinnert wurde an die Wüstentage,

der Weg zur Freiheit war sehr lang.

Erinnert wurde an den Segen Gottes,

wie ihm die Führung stets gelang.

 

Familie Jesus blieb fünf Tage.

Dann sollt es wieder heimwärts geh’n.

Sie packten ihre Siebensachen.

„Bis nächstes Jahr zum Wiederseh’n!“

 

Maria, Josef und Verwandte,

die Freunde und die Nachbarschaft, -

sie alle zogen Richtung Heimat,

gestärkt vom Fest, mit frischer Kraft.

 

Am Abend nach des Tages Reise

wollte man campen, hier im Tal.

Doch musste man erst Jesus suchen

bei seinen Freunden, - „Schau’n wir mal!“

 

Bei Joschi nicht, und nicht bei Schmuel,

und auch bei Tante Lisa nicht.

Kein Mensch hatte ihn heut gesehen, -

als schon die Dunkelheit anbricht.

 

Die Eltern hatten sich darauf verlassen,

er wär mit seinen Freunden fort.

Nach langer Suche, vielem Fragen

erkannten sie: er ist nicht dort!

 

Der Schrecken fuhr in ihre Glieder;

schon wieder war er Sorgenkind.

Wo steckt nur ihr geliebter Jesus?

Wo könnt er sein, wo man ihn findt?

 

Es blieb ihnen nichts andres übrig,

sie haben noch in dieser Nacht

sich auf den weiten Weg zur Hauptstadt,

zurück zum Tempel aufgemacht.

 

Mit jedem Schritt wuchsen die Sorgen.

Gedanken gingen kreuz und quer:

„Wo ist der Junge nur geblieben?

Wo könnt er sein? Was macht denn der?

 

Soll‘n wir die Polizei gleich rufen?

Wo finden wir in dieser Stadt

den armen Jungen ganz schnell wieder?

Und wenn er sich verlaufen hat?“

 

Sie hielten Ausschau in der Vorstadt;

sie schauten dort, wo sie gewohnt;

sie fragten nach bei den Verwandten; -

die Suche wurde nicht belohnt.

 

Sie gingen durch die alten Straßen,

auch dort wo man gefeiert hat.

Sie suchten ihn auf großen Plätzen.

Sie suchten in der ganzen Stadt.

 

Sie fragten alle, die sie trafen.

Sie fragten auch die Polizei.

Sie fragten nach in den Geschäften,

wo ihr geliebter Jesus sei.

 

Doch hatte keiner ihn gesehen.

Und niemand hatte was gehört

von diesem zwölfjährigen Jungen.

Maria war schon ganz verstört.

 

Drei Tage dauerte die Suche.

Maria war schon ganz verweint.

Der Josef wollte gern sie trösten:
„Gott ist mit ihm!“ – hat er gemeint.

 

Die Sorgen wurden täglich größer.

„Wo könnte denn der Junge sein?“

Sie wollten in dem Tempel beten.

Sie gingen durch das Tor hinein.

 

Da standen Priester und Leviten,

da standen Lehrer in dem Kreis

-        und mittendrin stand auch ihr Jesus!

Er redete dort voller Fleiß.

 

Er fragte all die hohen Herren.

Er war an allem int’ressiert.

Die staunten über diesen Knaben.

Das war ihnen noch nie passiert.

 

Er konnte wunderbar erzählen.

Er redete von Gott ganz frei.

Er fragte viel und konnt erklären,

wie das mit Gott und Menschen sei.

 

Maria stürzt zu ihrem Söhnchen

„Mein Junge, was hast du gemacht?

Wir suchen dich mit großen Schmerzen!

Wir sind verzweifelt, Tag und Nacht.“

 

Doch Jesus blieb ganz ruhig stehen

und sagte seinen Eltern dann:

„Ja, wisst ihr nicht, dass ich hier sein muss,

ja, dass man mich hier finden kann?!

 

Ich bin im Hause meines Vaters,

in dem, was meines Vaters ist.

Was sucht ihr mich? – Ihr konntet’s wissen!

Warum habt ihr mich denn vermisst?“

 

Das haben Josef und Maria

nicht recht verstanden, wie er’s meint.

Doch waren sie ganz überglücklich:

sie waren endlich neu vereint.

 

Und dann ging‘s ab nach Nazareth,

und Jesus ging natürlich mit.

Er war als Sohn dann auch recht folgsam.

Sie zogen los mit schnellem Schritt.

 

So wurde Jesus immer größer,

nahm zu an Weisheit und Verstand.

Sie staunten, dass er sehr viel Gnade

bei Gott und auch bei Menschen fand.

LUKAS 2,41-52