KREUZREIM  

LUKAS  KAPITEL 12

MUT ZUM BEKENNTNIS

 

Wenn Jesus sprach, dann ging man hin,

ob Arbeiter, ob Künstlerin.

Zehntausend kamen zu dem Mann,

weil dieser so gut reden kann.

 

Sie drängelten und knufften sich.

Sie traten gar – nicht zimperlich.

Ganz eng stand man auf du und du.

Und alle hörten Jesus zu.

 

Mal sprach er leise, mal ganz laut

zunächst zu denen, die vertraut,

die Jünger und die Freunde war’n.

Er sprach nicht gleich zu Menschenschar’n.

 

„Hütet euch bloß vor Heuchelei,

dass keiner nur scheinheilig sei!

Bei Pharisäern ich euch zeig,

die Krankheit ist wie Sauerteig.

 

Der setzt sich durch das ganze Mehl.

Die Heuchelei verdirbt die Seel’.

Seid keine Schauspieler vor Gott.

Sonst seid ihr innerlich bankrott.

 

Gott kennt euch doch. Er kennt euch gut.

Er weiß doch alles, was ihr tut.

Nichts ist verborgen, nichts geheim.

Geht Heuchlern nicht auf ihren Leim!

 

Vor Gott wird alles offenbar,

auch das, was hinter Mauern war.

Auch was ihr flüstert heimlich, leis,

gibt man im Nachbarhause preis.

 

Drum, meine Freunde, sage ich:

Habt keine Angst vorm Tod an sich.

Habt aber Angst vor Gottes Macht.

Bei ihm ist Ehrfurcht angebracht.

 

Nicht weil er töten kann den Mann.

Weil er zur Hölle werfen kann, -

drum fürchtet ihn und seine Macht.

Ich sag noch mal: gebt auf ihn acht!

 

Gott weiß um alles, was geschieht,

weil er bis in die Herzen sieht.

Er zählt die Haare auf dem Kopf.

Er weiß die Anzahl in dem Zopf.

 

Und er vergisst auch nicht den Spatz,

der durch den Markt hüpft auf dem Platz.

Ihr seid Gott wert, mehr reich als arm,

mehr als ein ganzer Spatzenschwarm.

 

Und deshalb fürchtet euch nun nicht,

auch nicht vor seinem Weltgericht.

Ihr seid doch Gott die Liebe wert,

dass er mit seinem Sohn euch ehrt.

 

Ich sage euch: Wer mich bekennt,

wer andern meinen Namen nennt,

wer zu mir vor den Menschen steht,

dass der in Gottes Reich eingeht.

 

Zu dem bekennt der Menschensohn

sich vor den Engeln und dem Thron.

Doch wer mich leugnet öffentlich,

zu dem steh ich nicht brüderlich.

 

Der Menschensohn verleugnet ihn.

Bei Engeln ist er schon verschrien.

Den Boten Gottes wird gesagt:
“Ist unbekannt!“ – auch wenn er klagt.

 

Ein Wort vergibt der Menschensohn,

das gegen ihn gerichtet schon.

Doch lästert einer Gottes Geist,

vergibt er nicht. Geduld zerreißt.

 

Habt keine Angst vor eurem Wort,

selbst nicht vor Mächtigen am Ort.

Auch bei Behörden und Gericht

bestimmt der Geist, was einer spricht.

 

Euch leitet Gottes heil’ger Geist.

Auch wenn die Frage feist und dreist.

Er wird euch leiten, was ihr sagt.

Seid, wenn ihr redet, nicht verzagt.

LUKAS 12,1-12

 

 

DER REICHE KORNBAUER

 

Streit ums Erben allerorten.

Streit ums Erbe jederzeit.

Selbst mit Brüdern oder Schwestern

kämpft man um Gerechtigkeit.

Jeder ist sich selbst der Nächste!

Viele streiten vor Gericht!

Habgier sitzt so tief im Menschen,

dass Familie d’ran zerbricht.

 

Eines Tages sagt zu Jesus

ein Mann voller bitt’rem Groll:
„Meister, sage meinem Bruder,

dass er mit mir teilen soll

unser Erbe von den Eltern,

denn ich komme sonst zu kurz.“

Jesus antwortet sehr deutlich:

„Ich mach keinen Kassensturz!

Mensch, wer hat mich denn zum Richter

und zum Erbteiler gesetzt?

Hütet euch vor blanker Habgier,

die euch nur zersetzt und hetzt.

Niemand lebt von vielen Gütern!

Niemand lebt allein vom Geld!

Was nützt dir dein ganzer Reichtum,

wenn Familie d’ran zerfällt?

 

Ich erzähle euch ein Gleichnis:

Es war einst ein reicher Mann,

dessen Feld hat gut getragen,

dass er bald wohl ernten kann.

Und er dachte bei sich selber:

‚Ach, was tue ich denn bloß?

Wohin sammle ich die Früchte?

Meine Scheunen sind nicht groß.

Es wird wohl das beste werden,

breche ich die alten ab.
Ich will neue Scheunen bauen,

richtig groß und nicht zu knapp!

Darin kann ich dann gut sammeln

alle Körner, all mein Gut.

Und ich sag zu meiner Seele:

Lieber Mensch, hab guten Mut!

Du hast Vorrat viele Jahre,

iss und trink; dir geht es gut!

Du kannst leben, Du kannst feiern;

liebe Seele, jetzt geruht!‘

 

Während er mit sich selbst redet,

sprach Gott zu ihm: ‚Ach, du Narr!

Diese Nacht wird deine Seele

dir genommen! – Das ist wahr!‘

Wes wird sein, das du bereitet?

Wem gehört dein ganzer Schatz?

All die Arbeit, all dein Reichtum

ist dann letztlich für die Katz.

So geht’s dem, der Schätze sammelt

nur für sich und nicht bei Gott.

Reich im Himmel kann auch der sein,

der auf Erden ist bankrott.“

 

Auch ein Manager sprach zu sich:

„Ach, was mache ich denn bloß?

Ich hab so viele Termine,

und der Zeitdruck ist sehr groß.

Wie kann ich koordinieren?

Wie mach ich nur meinen Plan,

wo ich alles das, was wichtig

ist auch unterkriegen kann?“
Doch dann fand er eine Lösung.

„Liebe Seele,“ sagte er,

„viel zu klein ist dein Kalender.

Es muss jetzt ein neuer her.

Einfach größer, mit mehr Freiraum;

für Termine ganz viel Platz!

So ein Planer, mit System drin.

Dann hört auf die arge Hatz.

Dann wirst du zu Pausen kommen,

hast auch für Familie Zeit.“

Doch Gott sprach: „Ab dieser Nacht noch

hast du Zeit in Ewigkeit!“

 

Und dann sagte jener Bäcker,

der das Brot backt im Akkord:

„Ich will schaffen zwanzig Jahre,

jeden Tag und immerfort.

Ich will jetzt viel Geld verdienen,

dass nach zwanzig Jahren dann,

ich mit Rente und mit Reichtum

mich zur Ruhe setzen kann.

Keine Zeit für Gottesdienste!

Selbst am Sonntag back ich Brot!“

Doch Gott sprach: „Das Brot des Lebens

backe ich! – Und du bist tot!“

LUKAS 12,13-21

 

 

SORGEN

 

Sorgt euch nicht um euer Essen,

nicht um Kleidung und Gehalt.

Seid davon nicht so besessen.

Ihr seid keine Missgestalt.

 

Leben ist doch mehr als Nahrung,

mehr als Essen allezeit.

Schenkt euch Gott nicht die Bewahrung?

Warum fehlt Zufriedenheit?

 

Nutzt nicht nur als Kleiderständer

euren Körper, euren Leib.

Er ist mehr als die Gewänder.

Mode ist nur Zeitvertreib.

 

Seht die Vögel, seht die Raben,

säen nicht und ernten nicht.

Obwohl sie nicht Scheunen haben -

Gott ernährt sie! – Das besticht!

 

Gott gibt ihnen trotzdem Essen.

Seid ihr ihm nicht viel mehr wert?

Sorge ist nicht angemessen.

Habt Vertrauen! Das ernährt!

 

Keiner hier aus unsrer Runde

setzt zum Leben etwas zu.

Länger wird es keine Stunde,

nicht Minuten, keinen Nu.

 

Könnt ihr das nicht mal verlängern,

frag ich mich, worum ihr sorgt.

Macht euch selbst nicht zu Bedrängern.

Leben ist euch nur geborgt.

 

Seht die Blumen, seht die Lilien,

spinnen nicht und weben nicht.

Mehr als Salomos Textilien

ihre Kleidung uns besticht.

 

Auch wenn Blumen schnell vergehen,

kleidet Gott sie wunderbar!

Wie viel mehr wird Gott verstehen

euch zu kleiden! Das ist wahr!

 

Nur die Ruhe! Habt Vertrauen!
Seid nicht wie die gottlos sind.

Gott sorgt für euch, lasst ihn schauen,

wie ein Vater für sein Kind.

 

Trachtet aber nach dem einen:

Sorgt euch nur um Gottes Reich.

Was ihr braucht wird dann erscheinen.

Das Vertrauen macht Gott weich.

 

Ihr braucht keine Angst zu haben,

denken auch nicht viele so.

Gott gibt euch die größten Gaben.

Mit dem Reich macht er euch froh.

 

Wie ein König will er schenken

euch zugute seinen Schatz.

Statt an Geld und Gut zu denken,

gibt sein Reich er als Ersatz.

 

In dem Himmel sammelt Schätze.

Ja, verkauft, was ihr besitzt.

Eure Sorge euch nicht hetze.

Ich sag es jetzt zugespitzt:

 

Spendet Armen eure Habe.

Helft den Menschen in dem Schmerz.

Kein Dieb stiehlt euch diese Gabe.

Wo dein Schatz ist, ist dein Herz.

LUKAS 12,22-34

 

 

JEDEN TAG KANN ER KOMMEN

 

„Ihr sollt leben, so als ob er morgen käme!“

sagte Jesus zu den Jüngern seinerzeit.

„Passt auf, dass euch falsche Sicherheit nicht lähme.

Seid für seine Ankunft jederzeit bereit!

 

Stellt euch vor, ihr seid die Diener eines Herren.

Dieser Herr war nun schon lange Zeit verreist.

Ihr sollt nicht nur nachts die Tür vom Haus zusperren.

Alle Aufgaben hat er euch eingekreist.

 

Denn ihr sollt nun all sein Hab und gut verwalten.

Ihr sollt sähen, ernten und euch kümmern um

- um die Häuser, um die Ställe, um die Alten,

um die Knechte und sonst alles Drumherum.

 

Ihr wisst nicht von eurem Herrn, wann kommt er wieder?

Nur dass wenn er kommt, er sicher schaut, wie’s steht.

In dem Haus guckt er, und er fragt alle Glieder,

wie es ihnen und wie’s seinen Gütern geht.

 

Glücklich ist der gute, redliche Verwalter,

der die Arbeit tat gewissenhaft und treu.

Durch die Klugheit ist er nicht nur ein Erhalter.

Durch sein Handeln wirkt das Alte oft wie neu.

 

Sein Herr kann und wird ihm Großes übertragen.

In ihm hat er einen ordentlichen Knecht.

Keiner seiner Mitarbeiter kann hier klagen.

Er gibt jedem, was er braucht und ist gerecht.

 

Doch Verwalter, die in ihrem Herzen denken

„Ach, das dauert! Mein Herr kommt noch lange nicht!“

die verschwenderisch die Güter sich selbst schenken,

- über die hält dann der Hausherr das Gericht.

 

Wer nur säuft und frisst und ständig Feste feiert,

wer nur seine Mitarbeiter schlägt und schikaniert,

wer Besitzverhältnisse nicht kennt und nur verschleiert,

der hat sich selbst vor dem Herrn, der kommt, blamiert.

 

Wenn der wiederkommt, wird er ihn überraschen.

Dann gibt’s Schläge, dann bestraft er ihn

für die Arbeiten, die er tat, für die laschen,

wird ihm dann der Lohn der Gottlosen verlieh’n.

 

Der Verwalter hat den Herrn so nicht erwartet.

Doch er kannte dessen Willen sehr genau.

Seine Arbeit ist ihm deshalb so entartet,

weil er selbstbezogen war und viel zu lau.

 

Denn der Hausherr und Besitzer wird viel fordern

von dem Menschen, dem er sein Gut anvertraut.

Wem er etwas gab, den wird er zu sich ordern.

„Wie hat er verwaltet?“ – so wird dann geschaut.

 

Deshalb seid auf seine Ankunft vorbereitet.

Auch der Menschensohn kommt dann, wenn Ihr’s nicht meint.

Von Erwartung sei das Leben her geleitet.

Selig ist der wachsam ist, wenn er erscheint.

 

Ihr sollt auf ihn warten, wie auf jenen Herren,

der von einer Hochzeit spät nach Hause kehrt.

Lasst die Lampen brennen, bleibt wach, aufzusperren.

Wenn er euch so findet, fühlt er sich geehrt.

 

Er wird dann für euch die Schürze sich umbinden.

Er geleitet euch ganz höflich an den Tisch.

Danach werdet ihr als Diener ihn selbst finden.

Wenn er so kommt, ist das Leben träumerisch.

 

Ihr könnt nicht berechnen, wann wird er wohl kommen,

kommt er spät am Abend oder Mitternacht?

Seid ihr vorbereitet lebt ihr nicht verschwommen.

Die Erwartung hat euch klar und gut gemacht.

 

Was zu tun und wichtig ist, werdet ihr kennen.

Ihr wisst, alles Gut und Gaben sind gelieh’n.

Lasst die Gürtel um und eure Lampen brennen!

Denn wo Licht brennt, weiß er: Ihr erwartet ihn!

LUKAS 12,35-48

 

 

FEUER

 

Feuer will ich hier entzünden auf der Erde!

Ach, am liebsten wär’ mir, dass es schon längst brennt!

Ach, dass alle Welt zu Gott sich schon bekehrte,

dass ein jeder schon die Zeichen der Zeit kennt.

 

Vorher muss ich durch den Tod wie bei der Taufe.

Ach, mir ist vor dem, was kommt, ganz Angst und bang.

Es gibt durch mich Streit und Zwietracht und Geraufe.

Bis zum Frieden auf der Erde dauert’s lang.

 

In den Häusern und Familien wird man streiten,

Leben fünf dort, streiten drei dort gegen zwei.

Vater und Sohn steh’n auf zwei verschied’nen Seiten.

Zwischen Mutter und der Tochter gibt’s Geschrei.

 

Seht ihr an dem Himmel eine große Wolke,

sagt ihr: „Es gibt Regen!“ und es wird gescheh’n.

Weht von Süden her der Wind, weiß man im Volke,

dass es heiß wird! Das könnt ihr im Voraus seh’n.

 

Warum könnt ihr nicht die Zeitzeichen erkennen?

Warum seht ihr bei euch selbst nicht: was ist recht?

Nur bei Erd’ und Himmel könnt ihr es benennen.

Was die Stunde schlägt, da urteilt ihr ganz schlecht.

 

Noch bevor ein Streitfall kommt vor einen Richter,

geht man zu dem Gegner und bemüht sich drum,

dass man einigt sich und findet einen Schlichter,

dass man kommt um seine Strafe drum herum.

 

Nicht dass man am Ende im Gefängnis landet.

Denn ich sag dir: Von dort kommst du nicht heraus.

Bis zum letzten Heller Gitter dich umrandet.

Alle Schuld treibt man dir durch die Strafe aus.

LUKAS 12,49-59