KREUZREIM  

LUKAS  KAPITEL 1

 

VORREDE

 

Vor mir sind viele schon gekommen,

die hatten es sich vorgenommen,

euch zu erzählen die Geschichten; -

doch möchte ich sie für euch dichten.

 

Ich will berichten vom Geschehen,

was überliefert und gesehen,

was wir noch heut bei Lukas lesen,

von Jesus und von seinem Wesen.

 

Wenn ich mir einen Reim d’rauf mache,

dann klärt es manche schwere Sache.

Wovon euch Lukas hat berichtet, -

durch Verse manches sich verdichtet.

 

Ich hab geforscht und hab erkundet

und hoffe, dass der Reim auch mundet,

damit wir Grund zum Glauben finden

und uns an Gottes Worte binden.

LUKAS 1,1-4

 

 

ES HAT IHM DIE SPRACHE VERSCHLAGEN

 

Fromm und redlich waren diese beiden,

Zacharias und Elisabeth,

gottesfürchtig, ehrlich und bescheiden,

liebevoll, gewissenhaft und nett.

 

Leider blieb die Ehe ohne Kinder.

Und nun waren beide hochbetagt.

Viele Tränen steckten schon dahinter.

Ach, sie hatten Gott ihr Leid geklagt.

 

Wie oft hatten sie zum Herrn gerufen,

- mal mit stillen Worten, mal gebrüllt.

Nun indes, auf ihren Altersstufen

schien der Wunsch nach Kindern unerfüllt.

 

Zacharias war im Tempel Priester.

Er war an der Reihe nach dem Brauch:

Dieses Jahr im Heiligsten erschließt er

Gottes Wohnung – ganz erfüllt mit Rauch.

 

Während draußen alle andern beten

ist er Mittler zwischen Mensch und Gott.

Er darf mit dem Opfer vor Gott treten.

Tiefer Ernst erfüllt ihn, - ohne Spott.

 

Plötzlich steht ein Engel ihm zur Seite.

Zacharias sieht ihn und erschrickt.

Er fühlt Gottes Nähe, Himmelsweite,

und er weiß sofort, wer ihn geschickt.

 

„Fürchte dich nicht!“ sagt zu ihm der Engel.

„Dein Gebet ist von dem Herrn erhört.

Ihr erleidet weiter keine Mängel.

Große Freude ist’s, die Gott euch schwört.

 

Deine Frau wird einen Sohn gebären.

Nenne ihn ‚Johannes’, dieses Kind.

Viele wird dein Sohn zu Gott bekehren,

weil er Herzen für den Herrn gewinnt.

 

Er wird in der Kraft des Geistes stehen.

Ihn erfüllt die Größe seines Herrn.

Durch ihn wird man Gottes Wege sehen.

Zacharias, Freude ist nicht fern!“

 

Der fragt zweifelnd: „Wie soll das geschehen?

Ich bin alt und meine Frau betagt!“

Darauf sagt der Engel: „Du wirst sehen:

Du bleibst stumm ab jetzt, weil du gefragt.

 

Ich bin Gabriel und soll dir sagen

diese Botschaft, doch du glaubtest nicht.

Deshalb schweigst du jetzt bis zu den Tagen,

wenn dein Sohn erblickt das Lebenslicht.“

 

Zacharias versagt seine Stimme.

Alles Volk erwartete ihn schon.

Als er `raustritt geschieht nun das Schlimme:

Aus dem Mund des Priesters kommt kein Ton.

 

Setzte es die Menschen schon in Staunen,

dass er lange in dem Tempel blieb,

ging doch jetzt durch alles Volk ein Raunen,

als der Priester in die Lüfte schrieb.

 

Hier hat sich im Innern zugetragen

etwas Göttliches! Was ist passiert?

Ihm hat es die Sprache glatt verschlagen,

dass er nur mit Händen buchstabiert.

 

Gott nahm ihm das Werkzeug seines Standes.

Nicht ein Wort kam, keine Melodie.

Das war für den Redner Unbekanntes

und das Ende von der Liturgie.

 

Stumm geht er nach Hause und bleibt schweigend.

Seiner Frau erklärt er zeichenhaft,

nur mit Schrift und seinen Händen zeigend,

dass die Stimme ihm total erschlafft.

 

Ein paar Tage später wird sie schwanger

Und versteckt sich länger, weil sie denkt:

„Jetzt steh’ ich vor allen wie am Pranger,

dabei hat mir Gott dies Kind geschenkt.

 

Endlich hat Gott meine Not gesehen.

Er nimmt von mir diese große Schmach.

Noch begreife ich nicht dies Geschehen,

doch ich ahne Großes noch danach.“

LUKAS 1,5-25   

 

 

BOTSCHAFT VERINNERLICHT

 

Frisch verliebt, verlobt waren die beiden:

Josef war ein Mann aus Davids Stamm,

mochte die Maria sehr gern leiden,

und sie freute sich am Bräutigam.

 

In Israel wohnten sie im Norden,

in der Stadt mit Namen Nazareth.

Er war richtig Zimmermann geworden.

Sie war jung und unschuldig und fromm und nett.

 

Gottes Engel war bereits erschienen

In Jerusalem im Tempel schon,

dort wo nur die Hohenpriester dienen,

dort versprach er einem Priester einen Sohn.

 

Dessen Frau, Elisabeth, war schwanger.

Seit sechs Monaten trug sie das Kind.

Nach Unfruchtbarkeit – und wirklich langer –

war Elisabeth sehr wohlgesinnt.

 

Wieder einmal sandte Gott den Boten.

Bei Maria erschien Gabriel.

Sie erschrak doch sehr vor dem Exoten.

Eigenartig schien der Gruß, -formell.

 

„Du Begnadete, Gott lässt dich grüßen!

Gott, der Herr, ist mit dir!“ – sagte er.

Und er stand dabei vor ihren Füßen.

„Fürchte dich nicht!“ schob er hinterher.

 

„Du wirst schwanger und ein Kind gebären.

Nenn ihn Jesus, was ‚der Retter’ heißt.

Alle Ewigkeit wird man ihn ehren,

weil er Gottes Liebe hier erweist.

 

Man wird ihn ‚den Sohn des Höchsten’ nennen.

Gott wird geben ihm des Davids Thron.

Alle Welt wird ihn als König kennen.

Endlos ist das Reich von deinem Sohn.“

 

Die Maria fragt: „Wie soll das geschehen,

da ich doch von keinem Manne weiß?“

Und der Engel sprach: „Du wirst schon sehen.

Alle Schöpfung ist Gottes Geheiß!

 

Über dich wird Gottes Geist dann kommen.

Des Herrn Kraft, die überschattet dich.

Von dem Heiligen wirst du benommen.

Gottes Sohn nennt man ihn ewiglich.

 

Sieh Elisabeth an, die Verwandte.

Sie trägt auch ein Kind in ihrem Bauch.

‚Unfruchtbar’ nannte man deine Tante.

Und zu alt erschien sie vielen auch.

 

Gott ist nichts unmöglich auf der Erde.

Es gibt kein Ding, das der Herr nicht kann.“

Und Maria sprach darauf: „Es werde!
Gott seh’ mich als seine Magd hier an.

 

Wie du sagtest soll mit mir geschehen.

Ich will dienen meinem Gott, dem Herrn!“

Darauf konnte Gottes Engel gehen.

Doch die Botschaft blieb bei ihr intern.

LUKAS 1,26-38

 

 

PRÄNATAL

 

Gottes Engel hat von ihr gesprochen,

von Elisabeth, des Priesters Frau.

Deshalb reist Maria nach zwei Wochen

Zu Elisabeth und sagt: „Ich schau!

 

Ich schau nach, wie geht es meiner Tante.

Ich will hören, was hat sie erlebt?“

Und so sucht sie auf ihre Verwandte

in den Bergen Judas, wo sie lebt.

 

Sie war kaum in deren Haus getreten

und begrüßte nun Elisabeth,

als sich in der alle Glieder drehten.

Das Kind in ihr tanzte Menuett.

 

Sie sprach, als sie dieses in sich spürte,

ganz erfüllt von Gottes heil’gem Geist:

„Ich empfinde, dass mich Gott berührte,

dass die Mutter des Herrn zu mir reist.

 

Du Gesegnete unter den Frauen!

Du Gesegnete mit deinem Kind!

Du kannst Gottes Zusagen vertrauen.

Unsre Kinder, die sind gleichgesinnt.

 

Mein Kind hüpfte in mir echt vor Freude

als es deine Stimme zum Gruß hört.

Deshalb keine Zweifel hier vergeude.

Gott vollendet, was er jemals schwört.“

 

Darauf fing Maria an zu singen.

Gottes lob erklang aus ihrem Mund.

Alles in ihr brachte sie zum Klingen.

Gottes Liebe gab ihr tiefen Grund.

LUKAS 1,39-45  

 

 

IN MIR LEBT ETWAS, DAS IST VON GOTT

 

Meine Freude und mein Lob gilt Gott, dem Herrn.

Deshalb singe ich ihm leidenschaftlich gern.

Ich erhebe meine Stimme, meinen Geist.

Alles in mir fröhlich meinen Heiland preist.

 

Bis vor kurzem war ich selber mir nichts wert;

Jung und unschuldig, von Menschen nicht geehrt.

So hat Gott mich trotz der Niedrigkeit gewählt.

Ich spür, dass bei ihm nur Herz und Glaube zählt.

 

Ich will dienen Gott, dem Herrn; nur ihm allein.

Große Menschen wirken vor Gott einfach klein.

Doch die kleinen Leute übersieht er nicht.

Das gibt mir für meine Zukunft Zuversicht.

 

Wer von sich selbst nur zu hoch denkt, - der fällt tief.

Wer die Gotteskraft nicht kennt, - der ist naiv.

Gott hat auch Gewalt zu stürzen von dem Thron.

Allezeit ist in mir heilig die Person.

 

In mir lebt etwas, das ist von Gott, dem Herrn.

Gottes Nähe spür ich. Sein Herz schlägt nicht fern.

Allen Menschen zeigt er die Barmherzigkeit.

Wer vor Gott noch Ehrfurcht hat, der ist bereit.

 

Gott ist nichts unmöglich! Er hat große Macht!

Er hilft seinem Volk auf! – Das hat er bedacht.

Er hat dies versprochen schon vor langer Zeit.

Sein Wort wird für ewig nun zu Wirklichkeit.

LUKAS 1,46-55  

 

 

DIE GEBURT VON JOHANNES DEM TÄUFER

 

Nach drei Monaten ging sie nach Hause.

Frisch gestärkt lief die Maria heim.

Ihr tat diese Zeit gut, diese Pause.

In ihr klang das Lied nach mit dem Reim.

 

Danach hat Elisabeth bekommen

ein gesundes Kind. Es war ein Sohn.

Alle Nachbarn hatten es vernommen:
Dieses Kind war eine Sensation.

 

Große Freude war bei den Verwandten.

Alle kamen nach acht Tagen her.

Zur Beschneidung kamen die Bekannten.

Zu dem Fest kam man wer-weiß-woher.

 

Alle, die an diesem Tage kamen,

dachten, dass es wie der Vater heißt.

Doch die Mutter wollte nicht den Namen.

„Nein! Johannes heißt er!“ sprach sie dreist.

 

Das gab einen Aufstand in der Sippe.

„Keiner der Familie heißt wie er!“

Die Festsstimmung stand schon auf der Kippe,

als man sagte: „Ruft den Vater her!“

 

Zacharias winkten sie zu kommen.

„Welchen Namen willst du für dein Kind?“

Er hat sich ein Täfelchen genommen

und schrieb einen Namen d’rauf geschwind.

 

Alle schauten nun gespannt zur Tafel.

Dort stand klar: „’Johannes’ heißt mein Sohn.“

Es gab Grund zum Wundern und Geschwafel –

denn bei Zacharias kam ein Ton.

 

Erst nur zaghaft, doch dann immer lauter

löste sich die Zunge, kam ein Wort.

Und er tönte. Immer mehr vertraut er

seiner Stimme, lobte er Gott dort.

 

Das versetzte alle hier ins Staunen:

„Was denkt ihr, was wird aus diesem Kind?“

hörte man die Menschen leise raunen.

„Gott scheint diesem Jungen wohlgesinnt.“

 

Vater Zacharias sprach vor allen

- ganz erfüllt mit Gottes heil’gem Geist.

Ja, er sang von Gottes Wohlgefallen.

Seine Rede in die Zukunft weist.

LUKAS 1,56-67

 

 

GOTT BESUCHT UNS

 

Gott ist gekommen. Er hat uns besucht.

Er hat uns aufgerichtet und sein Volk erlöst.

Ihr habt vernommen: Gott hat nicht geflucht:

Er hat uns hier errettet. Ketten sind gelöst.

Gelobt sei der Herr, der Gott Israels.

 

Gott hat gesprochen durch Prophetenmund.

Er hat den Bund geschlossen schon vor langer Zeit.

Das was zerbrochen – Gott macht es gesund.

Der Eid, den er geschworen, heißt Barmherzigkeit.

Gelobt sei der Herr, der Gott Israels.

 

Wir wollen dienen unser Leben lang.

Wir wollen für ihn wirken ohne Furcht, mit Mut.

Weil er erschienen, gibt es Tatendrang.

Mit seiner Gerechtigkeit wird nun alles gut.

Gelobt sei der Herr, der Gott Israels.

 

Du wirst bereiten den Weg für den Herrn.

Du wirst ihm vorangehen, mein Sohn, unser Kind.

Du wirst ausbreiten das Heil, wie ein Stern.

Licht aus der Höhe leuchtet. Wir sind nicht mehr blind.

Gelobt sei der Herr, der Gott Israels.

 

Dich wird man nennen: ‚Des Höchsten Prophet’.

Sünden wird Gott vergeben, jedem, der ihn liebt.

Heil wird man kennen, weil Gottes Geist weht.

Strahlend wird man bekennen, dass Gott Schuld vergibt.

Gelobt sei der Herr, der Gott Israels.

 

Auch in die Schatten fällt Gottes Licht.

Auch die im Dunkeln wohnen haben den Beleg.

Du sagst den Matten: Sie sehn sein Gesicht.

Du richtest unsre Füße auf den Friedensweg.

Gelobt sei der Herr, der Gott Israels.

LUKAS 1,68-80 

Kreuzreim
Das Lukasevanglium in Reimform